1. Juni 2020

Wie anstrengend so ein Tag doch sein kann. Rosenblüten und Teeblätter schneiden und zum Trocknen auslegen. Hier ein bischen schnippeln, da ein bischen ordnen. In die Wolken gucken. "Weiße Wolke des Himmels", so nennen die Mongolen ihre Wolle und Filz. Schaut man den Wolken eine Weile genau zu, so erklärt sich dieser Titel von selbst. Schicht um Schicht verschieben sich die Wolken übereinander, neue kommen , andere schweben weiter. Anstrengende Tätigkeit. Nein, ich meine nicht das Legen eines Filzes, das ist echte Arbeit, aber das Zusehen, wie die Wolken wandern ....anstrengend.

Ein Färbebad hatte ich gestern vorbereitet, wenn die Sonne nicht mehr so hoch steht, werde ich färben. Seide und Baumwolle mit roten Haselnußblättern. Spannend, ob das so wird, wie ich es mir vorstelle ...


29. Juni 2020

Häufiger als sonst stehe ich am Fenster. Hier habe ich den vollen Überblick auf das RosenReich. Vor mir überall Rosen.  Das, was ich als Strauchrosen, Höhe ca 1-1,5 m aussuchte, wächst "zum Himmel". Hohe Rosenmauern umrahmen das kleine Stückchen Garten. Es duftet himmlisch und die Farben leuchten. Schade, daß in wenigen Wochen der Zauber vorbei ist. Aber ich habe einen Trick, den Rosenduft zu erhalten, in den Winter mitzunehmen. Ein Topf Rosenblütenblätter steht auf dem Herd für Gelee. Überall im Haus stehen Schalen mit Rosenblüten zum Trocknen und gleich werde ich einen Rosenlikör ansetzen. Ein Teil meines Tages wird bestimmt durch das Schneiden der abgeblühten Rosenblüten , das Sammeln der Rosenblütenblätter und das Schauen und Riechen.

Und jede Blüte sieht anders aus, hat eine unterschiedliche Größe, Form, Farbe und Duft.

Rosengelee mit Erdbeeren

Rezept?

1 l  frisch gepflückte Rosenblütenblätter ( hier verwendet: Rose de Resht, Tuscany Superb, Quatre Saisons, Maidens Blush, Rosa Muscosa)

in 1 l Wasser aufkochen und stehen lassen (über Nacht)

Rosenblättersud absieben

ca. 250g Erdbeeren - möglichst gut reif, rot und geschmackvoll (ist ja oft nicht so)

Alles abwiegen und  mit adäquater Menge Gelierzucker (2:1) vermischen.

Ich lasse alles dann noch ein paar Stunden stehen, koche es  ein paar Minuten und zerkleinere  mit  dem  Püreestab alles noch kurz.

Das ist dann zwar kein Gelee mehr- aber das ist wohl egal, In Gläser abgefüllt, ein besonderer Geschmack. Es schmeckt und duftet nach Sommer.

Überraschend ist immer zu sehen was passiert, wenn die Rosenblätter ausgekocht sind.

Aber das muss man erleben. Es ist wie eine kleine Zauberei. Wer allerdings nur helle Blätter hat, muß auf dieses Vergnügen verzichten und kann auch mit Rotwein oder Kirschsaft den Sud herstellen, damit  das Gelee "Farbe" bekennt.

 

 


28. Juni 2020

Spaziergang im "Feenwald". So nannten meine Enkel dieses Fleckchen Erde. An einem heißen Sommertag ist dieser Wanderweg eine Option. Zwischen hohen Bäumen und Felsen entlang der "Naab", einem Flüßchen, das sich durch Gestein schlängelt, plätschert und vor sich hin murmelt. Diese Landschaft erzählt mannigfaltige Geschichten.

Wenn ein kleiner Regenguß überrascht, ergibt sich eine eigenartige Stimmung. Na ja, ein Feenwald eben.


26. Juni 2020

Meine Spaziergänge über Wald und Feld habe ich in den Abend verlegt. Das ist wie ein zusätzlicher, geschenkter Tag - Licht und hell für zusätzliche Stunden. An den im Wind wogenden Kornfeldern kann man den Sommer erkennen. Was für ein Spiel und Inspiration für eine neue Arbeit. "Chaos".   Ich sehe die gekreuzten Fäden schon vor mir.

Leider habe ich kaum grüne Stoffe - das heißt : mal wieder Farbtöpfe ansetzen. Vielleicht mach ich wieder mal eine kleine Hexenküche in meinem Garten. Mal sehen, wie das Wetter nächste Woche mitspielt. Blau machen ist immer schön - und gelb und blau ist ja bekanntlich grün. Für Gelb muß ich mal noch draußen suchen, was sich anbietet. Birkenblätter? gibts hier kaum.  Rainfarn? seh ich noch keinen. Schachtelhalm und Schafgarbe vielleicht.? Und notfalls hab ich eine große Tüte Curcuma. Inzwischen laß ich die Nadel noch ein wenig springen -  frei nach Grimm "Das Mädchen näht und singt „Nadel, Nadel, spitz und fein, mach das Haus dem Freier rein.“ Die Nadel springt ihr weg und überzieht den Raum mit prächtigem Tuch. Als der Prinz kommt, reicht sie ihm nur die Hand und wird seine Braut." Ach ja, dann bleibt ja auch noch der Versuch aus dem Stroh Gold zu spinnen ...


22. Juni 2020

Rosen, Rosen, Rosen.  Eine schöner als die Andere. Farben und Duft - ich kann mich nicht satt sehen. Die Zeit anhalten, das wäre jetzt genau das Richtige.

Vor 20 Jahren hatte ich  es gewagt, trotz ungeeignetem Standort, Rosen zu pflanzen. Selbst an Stellen, wo kaum ein Sonnenstrahl auf diese  Prinzessinnen trifft haben sie sich grandios entwickelt, wachsen üppigst und blühen wunderschön. Hauptsächlich hatte ich historische Rosen gewählt - wegen ihrem Duft und der Verwendung in der Küche. Und gerade erfüllen sich beide Wünsche. Kommt man durch den Torbogen um die Ecke, steht man vor einer duftenden Rosenhecke die über eine Mauer hängt. Quatre de Saisons, Tuscany superb, Mme Alfred Carière, Mme Isaak Periere und eine alte unbenannte, ein Ableger aus dem Norden,  bilden eine Duft-und Farbwolke.  Von damals 50 gesetzten Pflanzen haben natürlich nicht alle den Standort akzeptiert. 40 Rosen haben überlebt, auf 170m², das ist fast schon etwas zu viel. Damit hatte ich nicht gerechnet, freue mich aber über jede einzelne. Ein Rosentraum.


16.Juni 2020

 

Nach Regen-Regen-Regen, einem warmen, trockenen Wochenende heute mal wieder ein Gartentag. Am Samstag hatte ich Hilfe um die dritte Seite meines Pavillons  zu montieren. Heute habe ich die Wegplatten zum dritten mal neu verlegt. Manchmal sollte man den Kopf benutzen - aber ich habe kein Problem damit  auch mal Fehler zu machen. Nun, es wächst - Seite für Seite ... Jetzt brauche ich noch zwei schmale Türen mit Glas, dann ... ist er immer noch nicht fertig. Er braucht ja noch ein Dach. Hab ja noch ein paar Monate bis zum Winter. Da sollte er aber doch fertig sein.

Der Garten wuchert und jeden Tag erblüht etwas Neues. Heute und morgen der Mohn. Endlich, nach soo vielen Versuchen die richtige Farbe.


9. Juni 2020

 

"What a mess"  -  den richtigen Faden finden ist manchmal gar nicht so einfach.

Konsequenz aus der Misere? Ordnung schaffen. Danach  gehts weiter mit der Nadelarbeit. Sie  wächst, auch wenn ich noch nicht sehe wohin.


7.  Juni 2020

Schwarz-Weiß - schwarz auf weiß - schwarz mit weiß  - Tag-Nacht - hell-dunkel ...

Wortspiele,  unzählige  Möglichkeiten,  1001  Gedankengänge und  Aussagen. Zwischen den Zeilen Verstecktes, Ungesagtes ... Überall Zäune, Mauern, Grenzen - trotz Freiheit, Informationsmöglichkeiten, in sozialen Medien und Netzen ... Zu viele Informationen und unterschiedliche Meinungen lähmen -  es gäbe so viel zu sagen, doch es bleibt "ungesagt".

Nadel, Faden, Farbe, Form bieten einen Rückzugsort, Ruhe und Raum für Gedanken und das "schreiben zwischen den Zeilen" läßt Platz für "Ungesagtes".

 


6. Juni 2020

 

"Alles hat seine Zeit" - so macht der Regen meinen Gartenjob und ich kann wieder an meinen Ausstellungsstücken weiter arbeiten. Auch wenn die Ausstellung dies Jahr definitiv nicht stattfinden wird, das Begonnene ist ja nicht ausschließlich zum präsentieren in der Öffentlichkeit gemacht. So habe ich mir den Kachelofen befeuert und nadele im Regentropfenrhytmus. Stich für Stich - Zeit zum Nachdenken über diese eigentümliche Zeit.


4. Juni 2020

Und um einen Ausgleich zum Liegestuhltag zu schaffen - heute "Wandertag". Es gibt sie noch, die Blumenwiesen. Viel ist schon der Sense zum Opfer gefallen, aber immer mehr kann man sehen, wie kleine Flächen ausgespart werden. Margaritten, Kornblumen, Mohn und viele andere Farbpunkte schmücken die Landschaft. Und was macht da schon ein nahendes Gewitter? Für mich ist es nur Freude, denn sonst müßte ich mit Gartenschlauch wässern.


3. Juni 2020

Gestern war ein anstrengender Tag. Bummeln durch die Lieblingsgärtnerei, Pflanzen auswählen, ein-und ausladen, Standplätze auswählen und  Lücken bepflanzt. Da hab ich mir wohl heute den Blick in die Wolken verdient ?! Vom Liegestuhl aus.


30. Mai 2020

Seit Tagen weht ein Duft von Maiglöckchen durch die Räume. Die ersten Rosenblüten sind zu Gelee verarbeitet und der Blick nach Draußen verspricht ein buntes Blumenfest.

Es fällt mir gerade schwer bei einer Näh-oder sonstigen kreativen Tätigkeit zu verweilen.

Zu sehr lockt es mich in  den Wald, über Wiesen querfelderin zu  streifen und im  Garten zu werkeln. Aber -  "alles hat seine Zeit" - Heute hatte ich mal wieder die nördliche Oberpfalz im Blick. In Kemnath war ich noch nicht.  Am Ende des Tages habe ich dieses sehr hübsche Fleckchen entdeckt. Da muß ich wieder hin. Und auf dem Weg liegt das Kloster Speinshart, auch ein Ort, wo ich immer wieder mal spazieren gehe ...


26. Mai 2020

Dänemark. Das Land verbindet mich seit ich mit 6 Jahren eine lange Abenteuerreise begann. Ganz alleine mit einem Kindertransport, um den Hals ein Schild mit meinen Namen und Adresse, 1200 km Zugfahrt in ein unbekanntes Land Richtung Norden in die Ferien. Die erste Reise meines Lebens. Sonst kannte ich nur die 10 km entferte Stadt Sulzbach Rosenberg. Dahin lief ich an der Hand meiner Mutter immer wieder mal zum Einkaufen. Zu Fuß - wohlgemerkt.

Ich durfte in Dänemark bei einer Familie,  mit einer 3 Jahre älteren Tochter, immer wieder  Gastkind während der  Ferien sein. Ich wiederholte diese Reise in der Kinderzeit sporadisch, ging dort auch zeitweise in die Schule und lernte die Sprache. Learning by doing. 17 war ich, als ich das erste Mal mit meinem späteren Mann das Land bereiste und mit den Kindern später viele Jahre durchradelte und von Jugendherberge zu Jugendherberge das Land durchzog. Bis heute ist die Verbindung zur Familie geblieben. Allerdings ist heute nur noch ein Familienmitglied im Alter meiner Kinder übrig. Uns verbindet ein eigenes Band. Ein künstlerisches. Heidi ist eine erfolgreiche Künstlerin, stellt ihre Arbeiten in Galerien aus , schreibt und ist, wie alle Künstler heute,  brotlos.  Auch sie hält sich eine "Maske" vor`s Gesicht. Nicht nur um ihr Publikum nicht zu infizieren. Sie malt Zeitgeschichte  auf Leinwand ...

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Die langen Strandspaziergänge, die Strand-Rosenblüte, der Meerkohl, Steine, Sand, Wind, Land - die Familienbesuche, das alles fehlt mir sehr. Ist all das doch mindestens einmal im Jahr mein Ziel. Aber das Jahr dauert ja noch. So lebe ich  eben die Erinnerung und warte die Gelegenheit ab.


24.Mai 2020

Regen, trotzdem habe ich noch einen Spaziergang an den Fuß des Hausbergs, dem "Ossinger" gemacht und die Frauenschuhe noch einmal besucht. Sie sind eine Augenweide.

Und noch ein Rundgang im Garten, auch im Regen -  Blauregen. Wie ein Wasserfall neigen sich die Ranken über drei Etagen  herab. Ein Wasserfall aus Blüten.


22. Mai 2020 - ein Tag zum Nachdenken.

Ein schöner Tag hat nicht immer etwas mit Sonne zu tun.  Wozu braucht die Menschheit immer wieder Mauern, Grenzen, Unfreiheit ? Die deutsch-deutsche Grenze  war heute mein Ziel. "Familienzusammenführung".

Ein  Spaziergang durch das  marode Hirschberg, der Weg entlang der Saale und ein Besuch in Mödlareuth -  ein grenzwertiger Tag. Ein Familientreffen an der Grenze, der ehemaligen.  Nach 8 Wochen für uns wieder Nähe. Die Mauer trennte unsere  Familien schon einmal,  über Jahrzehnte,  waren von dieser Situation betroffen. Getrennt durch Flucht und Landesgrenzen, sah man sich ganz selten oder gar nicht.   Ein getrenntes Dorf,  Zäune Mauern rufen Erinnerungen wach.  Seit März  trennte uns nun ein Virus durch eine unsichtbare Grenze, die Bundesgrenze  Thüringen-Bayern. Wir haben auf einer  langen Bank mit Abstand Platz genommen. Skurril für mich - meine und die folgende Generation im Vergleich zur heutigen. Die Jungen, unbekümmert hören sie sich die Grenzgeschichten fast unbetroffen an, sie werden ganz  andere Erinnerungen weitertragen als wir. Erinnerungen an einen schönen Tag. Die Grenze durch Corona gezogen, fröhlich von Ost nach West springend, über eine einfache, unbefestigte Grenze zwischen dem Freistaat Bayern und dem Freistaat Thüringen. Frei, trotz Grenzen von Mundschutz und Abstand.


20. Mai 2020

 

So, der halbe Pavillon ist fertig. Nun geh ich noch auf Suche nach einer dritten Türe und einem Dach. Daß alles klappen wird, das weiß ich seit heute. Meine Zweifel sind beseitigt. Alles steht stabil und wird ja noch zusätzlich gefestigt durch eine dritte Seite und der Querverbindung um das Dach darauf zu befestigen. Alles steht in der Waage und nix wackelt. Das Dach, das macht mir noch Sorge. Aber ich will. Natürlich steckt noch ganz viel Fleiß in diesem Projekt, doch ich sehe es schon fertig vor mir. Das spornt an. Für die restlichen Tage der Woche werde ich vom frisch gestrichenen Liegestuhl aus den aufgeräumten Garten genießen und der Natur beim Wachsen zusehen. Hab ich mir verdient.


19. Mai 2020

Warum kann man nicht überall gleichzeitig sein und alles auf einmal tun, war man sich wünscht - oder auch tun sollte - Darüber nachzudenken lohnt sich nur, wenn man bereit ist sich zu strukturieren. Aber immer, wenn ich während meines Plans an etwas vorbeigehe, sehe ich, daß hier und da und dort auch noch etwas zu tun gäbe. Dann geh ich manchmal einfach in den Wald: Zauberhaft schönes Land um mich herum und eigentlich fehlt mir nur das Meer. Da hilft`s auch nicht, daß ich weiß, daß vor X Millionen Jahren vor meinem Fenster und um das Riff in meinem Garten Fische herum schwammen. So lenkte ich meinen Weg zu einem lichten Platz im Wald mit Frauenschuh. Immer wieder etwas Besonderes, diese Schätzchen zu bewundern. Diese und Andere. Aber kein Weg geht daran vorbei, an dem  wovor man flüchtete - es wird ein paar Stunden später immer noch warten ...

 

Bei solchen Spaziergängen fallen mir immer wieder Geschichten aus meiner Kinderzeit ein. Die ersten Jahre lebte ich in einem Dorf mit 4 Höfen. Mein Schulweg war 2 km. Zu Fuß. Wenn ich Glück hatte, in Begleitung. Aber, ich weiß nicht warum, ich mußte oft nachsitzen. Das hieß dann alleine die 2 km durch Wald und Feld stapfen. Unterwegs fand ich dann alles Mögliche - auch Mehlbeeren. Wir nannten sie so, ist wohl aber nicht exakt. Warum sie mir damals so schmeckten? Eigentlich heute nicht verständlich, aber "damals" war es eine Delikatesse. Gab es doch nur, was auch am Wegrand wuchs und wurde eifrig verwendet. Vielleicht sollte ich mal Blüten zum Tee sammeln.

und dann sind wir wieder am Anfang angekommen, überall wartet etwas zu tun ...

Dann geh ich jetzt mal mein Gewissen beruhigen und Latten streichen ...

später Abend: alle Latten und den Liegestuhl gestrichen mit Holzschutz, Die meiste Farbe habe ich an Händen und Kleidung-  Morgen geht`s weiter. Und irgendwann wird alles fertig sein. Oder?


17. Mai 2020

Wer keine Ahnung vom Bauen hat, sollte die Finger davon lassen. Oder Geduld, Zeit und Mut haben. Heute ist Sonntag - Pause. Nicht mal dran denken möcht ich, außer, wie mein "Unterstand" aussehen wird, wenn er denn mal fertig ist.

Was inzwischen geschah? Gefliestes wieder entfernen, Löcher buddeln, Rahmen einbetonieren, neu fliesen ... Ach ja, und das bischen Gartenarbeit sollte ja auch erledigt werden, will man den Sommer im Liegestuhl Kräuter, Beeren und schöne Aussichten  genießen. Habe also:  Blau- Stachel- und Brombeeren  mit Kompost versorgt, neue gepflanzt , alten Rhabarber entfern,t geteilt und Rhabarbermarmelade gekocht. Storchschnabel in seine Schranken verwiesen und Fliederausläufer gekappt. Sommerschattenplätze gereinigt. Ach ja, eine lange, aber schöne Geschichte - und ja, unendlich, da die selben Arbeiten immer wieder kontinuierlich anstehen. Und nach 6-8 Stunden Garten- und Bauarbeiten, da ist die Lust nach einer Nadel zu greifen extrem gering. Deshalb ruht diese Tätigkeit und nicht zuletzt wegen der rauhen zerschundenen Hände trotz dicker Cremeschicht unter den Handschuhen. Aber die sind so lästig, kommen also nur im Notfall zum Zug - wenn`s ganz grob wird.


12. Mai 2020

Was machten meine Projekte? Nun, es gibt viele Gründe und Möglichkeiten sich vor schwierigen Arbeiten zu drücken. Regen zum Beispiel. Oder andere, auch nötige Gartenarbeiten, die aber mehr Spaß machen. Pflanzen, Umsetzen, und Ableger, die im Weg stehen, eintopfen. Sie finden immer ein neues Zuhause. In der durchgenäßten Gartenerde macht es richtig Spaß. Und ich suche immer noch nach Schnecken. Keine einzige bisher. Eigenartig, denn in meinem an sich feuchten, schattigen Boden  und  steinigen Versteckmöglichkeiten hatte ich die Biester bisher eimerweise. Erstmals habe ich ganz mutig wieder mal Bohnen gesteckt- sie sind noch nicht abgefressen, entwickeln sich ... auch der Salat ist unbeschadet, das war noch nie so. Gestern und vorgestern war durchgängig Regen - ich habe ein paar UFO`s fertig genäht und angefangenes "Meer" zu quilten begonnen. Und den Garten habe ich mir für  die Zeit der Eisheiligen ins Haus geholt.


9. Mai 020

Seit Langem wünsche ich mir für meine Terrasse einen kleinen Unterstand. Wenn`s plötzlich regnet oder der Wind lästig ist, für die Gartenmöbel im Winter und um völlig ungesehen zu sein. Aber wünschen alleine tut`s eben nicht. Von Nichts kommt bekanntlich auch Nichts. Die Suche nach alten Türen, die ich als Wände benutzen möchte dauerte, aber  inzwischen war ich fündig. Ich dachte nicht, daß ich nach kostbaren Antiquitäten suche - aber Geduld kann auch eine Sparmaßnahme sein.  Wie nun weiter?

"Die Axt im Haus erspart den Zimmermann"- so ein  schlauer Spruch. Aber die Axt allein? Irgendwann, irgendwie und irgendwo muß man ja anfangen. Also habe ich das Stück Terasse vergrößert auf dem mein Bauwerk stehen soll. Der Zufall spielte mir Platten zu und diese Arbeit habe ich schon auf allen Gartenwegen praktiziert, das ist  schnell gemacht.  Die Türen müssen auf einer Seite abgeschliffen werden- auch kein Problem. Das Problem ist die Entscheidung: Blau? Weiß? Weiß mit blauen Kanten? Also -

Entscheidung hintanstellen.

Im Keller stöbern nach alten Latten und Leisten - ein Abenteuer... was man da alles findet. Und - alles kann man irgendwann mal brauchen. Eine Latte nun auch zu meinem Projekt.  Schrauben und Nägel sind nun bei der Suche nach passenden   Exemplaren  fein sortiert. Auch das mitlerweile Luxusartikel. Aber genau die Länge? Nur drei Stück - statt dessen, 1001 alles Mögliche  ...

Inzwischen  steht  der erste Rahmen. Erst mal ein Teil. Aber irgendwie habe ich wohl einen Denkfehler. Es kommt mir vor, als hätte ich mein Problem, einen festen Stand für die Türen zu haben, einfach nur verdoppelt. Also noch ein wenig rumpopeln zwischen den Stauden und nachdenken. Und dann regnet es zum Glück  ...


6. Mai 2020

 Meine Reise in die Welt ging heute in`s Gartenreich nach Oberrieden. Armenischer Sorchschnabel, Labradorveilchen, Marokkanische und Türkische Minze, Chinesische Rosen ... eine Reise um die Welt. Hier schnuppern, da staunen und Neues entdecken. Über Land fahren ist auch immer ein Genuß, diesmal ist alles gelb rundum ... und  grün und blau ... bergauf, bergab mit weiten Blicken ins Land. Natürlich auch zu Fuß, obwohl der Weg durch die Gärtnerei auch schon einer Wanderung gleicht. Warum ich eigentlich unterwegs war? Meine alten Kräuter waren schon so mickrig und ein neues TeeBeet soll entstehen. Na klar fand auch Anderes den Weg in meinen Garten. Nun muß ich den Rest des Tages graben, pflanzen, gießen ... es wird ja spät dunkel und nach 3 Stunden bin ich dann sowieso kreuzlahm.


2. Mai 2020
doch, doch - ich habe auch fleißig an den Arbeiten für die Ausstellung genäht. Und diese auch gleichzeitig abgesagt. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Deshalb bleibe ich auch dabei und schwimme weiterhin im Jurameer, etwas relaxter allerdings. Dieses Näh-Mustertuch ist vor allem entstanden zu einem kleinen Lehrgang,  den ich unter dem Untertitel:  Techniken : Textiles/Nähstiche und Textiles Stickstiche  als Begleitung zur Ausstellung erarbeitet habe. Tja, manchmal weiß das Unterbewußtsein eben mehr. Jetzt kann ich mich, wenn die Ausstellung denn doch stattfindet, auf euere fertigen Arbeiten freuen 🙃😉 Viel Spaß.

Die Sammelsurien von langen Strandwanderungen dienen mir als Vorlage um  mein Jurameer zu füllen. Langsam füllt sich auch der fiktive Ausstellungs- Strand.

Eine kleine Geschichte am Rand: Meine kleine Tochter liebte es, ihre Taschen voll Seesterne oder kleine Frösche zu stopfen. Irgendwann taten sie ihr dann leid...leider oft zu spät. Sie durften

aber  trotzdem wieder ins Wasser zurück.


27. April 2020

Es sind die kleinen Dinge, die ich suche. Ich suche sie eigentlich auch gar nicht, ich finde sie. Sie finden mich und ich halte sie dann fest. Der Fotoapparat ist immer dabei, mein zweites Ich sozusagen. Am Jahresende mache ich dann aus den Sammelsurien meines Daseins ein TageBuch, das ich dann durchblättern, ansehen kann. So erinnere ich mich manchmal an den Duft des Waldes, spüre die Wärme der Sonne auf meinem Rücken, erahne den Geruch der trockenen, warmen Erde oder der Frühlingsblüten. So ein Tag war heute, einer der an "früher" erinnerte. "Früher" bekam ich zum Geburtstags-frühstück auch immer einen Strauß Veilchen und Schlüsselblumen. Nun muß ich für mein Wohlergehen selbst sorgen, zu den Schlüsselblumen und Veilchen einen Weg finden.  Lange habe ich auf der Wiese am Waldrand zwischen den Anemonen gelegen und in die Sonne geblinzelt. Kein Mensch weit und breit ... Nur Vogelgezwitscher.


18. April 2020

10.oo bis 13.oo Uhr Sonnenbaden, mit dem Finger auf der Landkarte verreisen und Route nachlesen. Wenn ich schon nicht real unterwegs sein kann, so doch wenigstens in Gedanken. "Grenzgänge", ein schönes Buch, bin ich doch ein Leben lang zwischen Ost und West mit der "Mauer" verbunden - es hat es mir noch viel erzählt. Schön gemacht der Umschlag. Fährt man mit dem Finger auf der Straße entlang, hat man das Gefühl es sei eine echte Betonpiste ... 14-15.oo Uhr  frisch gebackenes "Wienerbroed" (dänische Spaezialität -(Blätterteig mit Rhabarberfüllung) genossen. 15.oo - 20.oo Garten geschönt. Seit 20.oo Uhr läuft die von der Post heute gelieferte Musik. Philip Bradatsch gab es nur als LP, kein Problem denn ich besitze noch einen funktionsfähigen Plattenspieler. Aber - oh weh - erst mal damit begonnen wird das wohl kein schnelles Ende geben.


17.April 2020

Richtig stolz bin ich heute auf mich ! Nein, nicht weil ich eine besondere Leistung vollbracht hätte. Nachdem ich nachts  nochmal Mundschutz für die Familie genäht hatte, habe ich heute den ganzen Tag nichts- gar nichts gemacht. Der Liegestuhl, ein Kissen, ein Sonnenhut, ein Buch ... das waren die Begleiter durch den Tag. Und ich habe mich nicht vom Fleck gerührt. Das schaffe ich sonst kaum, ohne etwas Produktives den Tag zu verbringen. Könnte mich daran gewöhnen. Der Sommer kommt ja noch.


15. April 2020

Hier auf dem Land ist kaum zu spüren, daß das Leben sich geändert hat. Zum Einkaufen gehe ich in den BIO-Hof/Naturkostladen. Dieser hat das Warenangebot in den Hof verlegt und den Verkauf clever eingefädelt. Da bekomme ich fast alles und kaufe für 2 Wochen ein. Ich fahre weniger Auto - trotz günstiger Benzinpreise - keine Ausflüge. Meine Ausflüge haben sich auf die fußläufige Umgebung beschränkt. Aber dann ist das auch schon alles. Ja, natürlich - Ostern, das Familienzusammensein ist ausgefallen. Aber das Internet bietet so viele Anregungen sich zu beschäftigen.

Augen zeichnen, das wollte ich schon immer mal. Einen Versuch wollte ich wagen. Es war sehr lehrreich. Wann sieht man sich selbst in die Augen? Was zeigt die Nahaufnahme?

So beschäftigt man sich auch mal  mit sich selbst, kann  die Lebenssituation reflektieren. Alles rundum kreist um den Kranz und nun  ist das Ergebnis der letzten Tage ein Bild von Corona.  Sehen, reflektieren, schweigen.


12. April 2020

Ostersonntag- ein wunderschöner Sonnentag. Alles rundum still außer Vogelstimmen nichts menschliches- gar nichts. Ein kleiner Windhauch ab und zu ... Amseln jagen sich mit Geschrei, die Turmfalken kreischen hoch in der Luft. Der Kirchturm, auf den ich  vom oberen Teil des Gartens sehen kann ist wieder bewohnt. Ein Pärchen, noch nie konnte ich feststellen, wieviele Nachkommen sich auf der Spitze tummeln. Ach ja, und dann hoppelte der Osterhase vorbei. Danke für die Ostereier! Was soll man tun, wenn alle Möglichkeiten zum Weltgetümmel versperrt sind? Sich erinnern und freuen an dem was war. Feierten wir doch vergangenes Ostern an der Müritz ein wunderschönes Familienfest. Auch da konnten wir draußen sitzen und auch wandern und die Gegend erkunden. Nun sitze ich hier im Schatten und genieße meine kleinen Küchenzaubereien. Das Osterbrot-der Osterzopf, das muß schon sein. So lecker, schon der Duft, der durchs Haus zieht. Luftig, locker, süß. Ein bischen Sonnenbaden werde ich noch und dann noch ein wenig nähen. In der Sonne sitzen und kreativ die Gedanken kreisen lassen- ein Genuß.  Frohe Ostern, also.

Erinnerung an Ostern 1919


11. April 2020

Die Osterhasen beraten noch, wie sie das mit den Eiern machen wollen. Dies Jahr ist  wohl etwas kompliziert. Aber ich habe ja noch meine "alten" Erinnerungen an tolle  Ostermärkte. Vom 2. Januar bis Ostern habe ich stundenlang über viele Jahre dem Osterhasen beim Bemalen der Eier geholfen.  Einige habe ich noch aufgehoben.

und dann habe ich doch noch ein bischen Ostern um mich herum gestaltet...


8. April 2020

Ich habe den Mond gesucht, bin ganz weit auf den Berg gelaufen. Aber nein, ich habe nur die Sonne gefunden. Gegenüber war er auch nicht. Aber heute Nacht, so gegen zwei, scheint er groß und klar in mein Bett

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hier entsteht ein kleines Mustertuch für Hand- Nähstiche für den Workshop während der Ausstellung. Es  findet sich die Beschreibung unter Textiles/Techniken/Nähstiche

 


3. April 2020

 Eigentlich säße ich jetzt in Zürich auf dem Flüghafen um auf den Flieger nach Lissabon zu warten. Eigentlich. Wenn, wäre, könnte ... das alles hilft nun  nichts, ich muß mir andere An-und Aussichten suchen.  Zum Beispiel Wollnachschub kontrollieren. Wunderschöne Brauntöne stehen da auf der Wiese.  Ein weißes und ein schwarzes zwischen vielen braunen Schafen. Den jetzt noch lichten Laubwald durchstreifen,  hier und da ein wenig Moos für Osterdeko sammeln und an Blumen riechen. Sogar ein Stündchen  in der Sonne auf der Wiese liegen, die Aussicht übers Land genießen und die Frühlingsluft durch die Nase ziehen lassen war schon möglich. Nichtstun -  das darf auch  mal sein. Aber was ist Nichtstun?

 


2. April 2020

Dem Osterhasen beim Eierlegen zuzusehen? ... auch dafür ist  jetzt Zeit. Das Nest besteht schon seit einigen Jahren. Ich wußte, daß es kein Vogelnest ist. Habe aber den Bewohner des Nachbarhauses noch nie gesehen. Außer in meinem Garten, an der Nußspur und auf dem Haselstrauch vor meinem Fenster.  Dieses Nest liegt im ersten Stock vom alten, eigentlich unbewohnten Pfarrhaus. Schon vor Tagen sah ich nun den "Nachbarn" an der Hauswand senkrecht nach oben klettern. Schnell wie  ein...  Eichhörnchen. Zu schnell um ein Foto zu machen. Aber heute, da fiel mein Blick auf etwas Vorbeihuschendes. Nach kurzer Zeit konnte ich ihn, sie, es  endlich einfangen. Wie schön, mein neues Fernsehprogramm.  Auf gute Nachbarschaft!

 

 


immer noch, 30. März 2020

und dann stand da noch die Nähmaschine auf der Treppe, sollte aufgeräumt werden. Soll ich doch noch Mundschutz nähen?  Kurz gedacht und gemacht. Nach 10 Stück hier mein Fazit des Tages:

 

"3.600 Atemmasken bis 23 März -und das von einer "Künstlerin".

Martina Unterharnscheidt,

Du hast meine vollste Hochachtung. Ich sitze nun bereits den ganzen Nachmittag und fitzele an meinen 10 Teilchen rum. Die Schultern hochgezogen, schon steif, der Rücken tut mir weh und ich bin noch nicht fertig damit. Unglaublich - 3.600 Stück +!"

 

Diesen Beitrag mußte ich dann schon mal schreiben ... Selbst mit Übung und fabrikationsmäßig geplanter Ausführung eine Riesenleistung.


30. März 2020

So, nach der Rede unseres Ministerpräsidenten ist klar. Verlängerung der Ausgangssprerre. Wir müssen uns sicher noch lange einschränken.  Hier dazu meine Gedanken -  und alles Gejammer hilft nichts, denn es ist, wie es ist.

Ich schaue auf ein Blatt Papier:  kann das Blatt drehen und wenden, es ist immer erst mal leer. Der eine beschreibt es, der andere bemalt es und wieder ein anderer läßt es weiß oder es zeigt sich ihm kohlschwarz. Wie das weiße Blatt, so ist auch das Leben.  Jeder hat eine andere Art es zu füllen, mancher hat eine schlechte, gute, oder auch miese Voraussetzung von Geburt an mitbekommen. Nun kommt das Gestalten des Lebens ins Spiel. Und nicht immer sind die anderen schuldig, wenn alles anders ist, als man es sich wünscht. Nun aber, wenn ich nun schon an die 4 mich umgebenden Wände reduziert werde, habe ich die Chance den Raum  zu füllen, wie das weiße Blatt.  Ein neues Arbeitsthema. Titel: Coronula Diadema. Was das soll? Stoff zum Nachdenken!

Meine geplatzte Reise - umgesetzt aus kleinen Stoffschnipseln, zwei Farben Garn, einem Rest Futter und Vlies für die Zwischenlage, habe ich heute Nacht fertiggestellt. Es hat Spaß gemacht, gute Laune und meine Wehmut hat ein Ziel gefunden.

Nun habe ich neue  Möglichkeiten. Ich kann es lassen wie es ist, rahmen und ansehen. Es könnte aber auch eine Buchhülle, ein Kissen, ein Täschchen, der Beginn einer großen Arbeit werden  oder sonstewas ...Ich laß es mal liegen ... warte ab.

Noch ein neues Buch aus dem Antiquariat habe ich  vor mir liegen. Ein Bilderbuch, das ich mir schon lange mal ansehen wollte. Vielleicht bekomme ich ja Lust, mal wieder zu filzen. Im Garten steht ein Bottich mit Schafwolle, wartet gewaschen zu werden. Es scheint zwar die Sonne, aber es ist mir einfach zu kalt. Noch, das wird sich ändern. Ein Korb weiße, gewaschene Wolle steht  auch noch parat. Spinnen? Färben?  Weben?

Auch ein fertiges Werk wartet noch auf`s Quilten. Dies und noch mehr könnte ich in Angriff nehmen. Aber irgendwie sitze ich vor dem weißen Blatt und in meinem Kopf kreisen Sternchen , Striche, Punkte, Gedanken, die nach einem Ausweg suchen. Vielleicht hilft ja auch schon der Putzeimer mit der Vorgabe - 15.00 und dann Buch lesen und dann- kommt vielleicht eine Idee. Aber auch nichts ist manchmal nichts Falsches.


28. März 2020

Heute war in der Post mal wieder ein dicker Umschlag mit Büchern. Meist lese ich ja "Fachbücher". Bücher, die mit Textilien zu tun haben. Irgendwo im Netz begegnete mir ein Film mit  Oliver Lück. Er stellte seine Reisegeschichten vor. Die ganz besondere Idee, die Kombination ,  mit einem Bus die Ostsee entlang zu fahren,  auf der Suche nach Flaschenpost,die Erlebnisse  zu einem Buch wachsen zu lassen,  hat mich angelockt. Nun halte ich das Buch in Händen und schwanke zwischen nähen und lesen. Schon gestern habe ich 2 Stunden auf der Terasse in der Sonne verbracht. Zugegeben: im Mantel eingehüllt, mit einem großen Kaffee und einer neuen, kleinen Näharbeit. Und genau das werde ich auch heute wieder tun. Mit Flaschenpostgeschichten und bunten Fleckerln den Samstag auf der Terrasse verbringen. Vielleicht auch den Sonntag. Aus dem Radio tönen Warnungen: Wer nicht zuhause bleibt, muß mit hohen Strafen rechnen. Es wird verstärkt kontrolliert. Glücklich, wer einen Garten hat, oder wenigstens ein offenes Fenster an der Sonne.     mehr über die Geschichten:   http://www.lueckundlocke.de/


25. März 2020

Irgendwie kann ich noch nicht ganz glauben, daß Portugal nicht mit mir rechnen kann. Beziehungsweise umgekehrt. Auf das 2-wöchige, bunte Leben habe ich mich doch sehr gefreut. Nun könnte ich ja mal endlich Spanisch lernen!? Das war auch schon immer so ein geheimer Wunsch , den ich vor mich hinschob. Aber ... die vielen "Aber`s" über die man im Leben stolpert, sie  gerne  auf "später", "morgen" vertagt, diese Aber`s stehen mir im Weg. Ich rechne mal weiterhin, daß ich mit Englisch ganz gut zurecht käme, wenn, ja wenn ... und stelle " lernen" wieder ganz nach hinten.

Kein aber und kein wenn und würde habe ich für meine Kaffeestunde. Tarte à Lisboa mit einem großen Espresso - das darf schon sein, zur Unterstützung der immer noch vor mir liegenden Reiseliteratur,  zur Abschwächung des Bedauerns. Beim Lesen kam mir die Idee zu einem bunten, lustigen, Stoffbild. Bunte Häuser vielleicht, wie auf dem Deckblatt des Reiseführers? Eigentlich habe ich ja noch das  Schatzkästchen  mit kleinen, bunten Stoffstückchen, die Grundlage zu "Großmutters Sommerquilt" -

Und wieder ist da dieses "Aber" - ich bin ja flexibel.   Genug Stoff ist  vorhanden - und dieses Stück muß ja gar nicht sooo groß werden. Schon diese Vorlage vermittelt fröhliche Stimmung. Also losgelegt !


24. März 2020

Seepocke, Coronula diadema, das hört sich ja doch nach Zeitgeschichte an und paßt sowohl zu unserer Quarantänenursache als auch zu meinen Meeresbildern. Ich nähe sie mit einem kombinierten Knopfloch-  und Überwendlingstich in Runden aneinander. Je nach Garnstärke werden sie unterschiedlich in der Größe. Der "Hedebostab" erleichtert das gleichmäßige Aneinanderreihen der Stiche. Er stammt aus der Heidegegend auf der Insel Seeland/Dänemark und wird zum Herstellen von  Knöpfen und Ringen  benutzt. Die Technik geört zu den Nadelspitzen und kann vielseitig verwendet werden.

 


22. März 2020

Für so viele Stiche brauche ich auch so viel Zeit. Vielleicht pro Stich eine halbe Sekunde? eine Sekunde? Neuer Faden, einfädeln, Knoten entwirren ... Die gesamte Fläche wird ca. 40x 40 cm sein. Da ich Bewegung erzeugen möchte habe ich ca. 3 Stiche per cm. So, und wer sich langweilt kann ja mal rechnen, ich stichele mal weiter inzwischen.

Die Ausstellung im Juli ist erst mal ausgesetzt. Das gibt mir etwas Ruhe, nimmt den Druck termingerecht "liefern" zu müssen. Für die Flyer, die ja schon fertig und parat zur Auslieferung liegen, werde ich einen Stempel mit neuen Daten schneiden. Wie, das kann ich ja noch austüfteln. Meine Reise ans Meer habe ich nun auch endgültig storniert-schweren Herzens. Begnüge mich mit meinem Meer im Innersten und dem aus Stoff, Farbe und Faden.


21. März 2020

 Mal was anderes -  aber immer noch "Textur"  -  diesmal eßbare Textur.

Gesund schmackhaft, preiswert, phantasievoll,  vielseitig verwendbar- auch kalt mit Dip - und schnell gemacht. Echt lecker !

QuinoaLauchKräuterBratlinge mit Frischkäsesoße, auf meinem Teller mit  Chinakohl.

Wir sollten uns auch in schwierigen Zeiten verwöhnen, gesund ernähren. Keinesfalls mit Dosenfutter begnügen ohne Notwendigkeit. Hugh - ich habe gesprochen.


17. März 2020

Gestern war ich wieder mal die Gegend erkunden und habe Neues entdeckt. Eine Mulde, ganz versteckt,  mit Wasser gefüllt - für heiße Sommertage als Rückzugsort mit einem Buch ... Einen Blockschuttwald  - warum der wohl so heißt?  Und dann war ich noch in einem Urwald auf Safari.  Wenn man zwei mal hinschaut beim Wandern, zeigen sich auch zwei Bilder -oder mehr.


16. März 2020

Quarantäne. Was bedeutet das für mich ganz  persönlich? Eigentlich erst mal nicht viel. Mein Leben wird sich nicht verändern, bin ich doch  sowieso hier im Abseits.  Der Abstand zur Umwelt ist von allen Seiten groß genug, bevorratet mit dem Nötigsten bin ich immer, gehöre  ich doch noch zu der Generation "Nachkriegskind". Als solches habe ich gelernt mit Nichts oder Wenigem auszukommen. Richtig hart trifft mich, daß ich mich  im April wohl nicht in  Fadokneipen in Lissabon rumtreiben werde, keine langen Strandspaziergänge machen kann und natürlich auch nicht die lange, lange gewünschte, geplante und leider auch bezahlte Reise in mein Traumland antreten kann. So spiele ich denn die Musik von Mariza, Carminho, Amalia Rodrigo und all den anderen "Großen" des Fado. Und wird mir das zu stimmungsbestimmend, schwenke ich eben nach Kuba und laß mir von  Ibrahim Ferrer im Buena Vista Social Club einen Cuba libre servieren. Nun, und das Meer? das nähe ich mir. Stoffe, Garne und Ideen stapeln sich zur Nutzung  für Jahre. So werde ich  zwischen Garten und Werkstatt pendeln und wissend, daß sich - für mich - nichts ändert,  fleißig sein, träumen ...

Oh, blöd, hab weder Cola noch Rum für Cuba libre in meiner Speisekammer. Aber Limetten! Hurra.


12. März 2020

Nun habe ich heute einen Karton, gefüllt mit Lesezeichen, per Post bekommen. Es ist ein schönes Gefühl die Flyer in der Hand zu halten. Danke, Anja für Deine Hilfe. Er ist wunderschön geworden.

Wieviel Neugierde wird die ausgeschriebene Ausstellung nun hervorrufen? Ob sich wohl jemand mit mir an den Strand führen läßt? Ob ich inspirieren kann, selbst zu Schere, Nadel und Faden zu greifen? Wird überhaupt eine Veranstaltung stattfinden?  Fragen über Fragen. Mir reicht es schon, wenn sich ein paar Leute über den Sinn und Unsinn meines Tuns den Kopf zerbrechen, lächeln, lachen oder zweifeln ob der Idee, daß Königstein am Meer liegt. Vielleicht macht sich ja jemand Gedanken, vielleicht denkt aber auch mancher darüber nach, wie veränderlich, zerbrechlich und schützenswert unser Lebensraum ist. Das allein wäre schon ein voller Erfolg im Vorfeld.


9. März 2020

Die Entscheidung ist gefallen,  ich habe nochmal Schnipsel verwertet, Kurven geschnitten, Sand, Strand und Meer genäht. Für die neue Arbeit habe ich sogar schon Titel und Begleittext obwohl ich noch lange nicht fertig bin mit Nähen. Aber die Richtung ist jetzt klar. Das Bild wird sich zweiteilig zeigen. Den schmalen Streifen quilte ich jetzt und hoffe, daß mir noch das Eine oder Andere zu   "Erde und Meer" einfällt. Hier schon mal die Geschichte dazu:

Vor Millionen von Jahren war hier wo wir stehen ein riesiges Meer.

Das Tethysmeer. Durch Verschiebung der Kontinente floß das Wasser ab,

es zeigten sich Riffs und  Berge,  Flüsse und Seen sowie Land. Das Land wurde geteilt, zersiedelt und mißhandelt,  Meer, Flüsse und Seen vergiftet.

 

Wird der Klimawandel neue Veränderung bringen?

 

 

 


4. März 2020

Viele Stunden schneiden und nähen stecken in dieser Arbeit der letzten Tage/Nächte. Meine Freundin "Bernina" hat mir nähen geholfen. Das Nähen mit der Maschine ist möglich, aber  .... nein, nicht sinnlos, denn hätte ich das per Hand bewältigen sollen, wäre es eine Jahresarbeit. Man muß eben immer wieder abwägen, was Sinn macht. So sind heute Nacht 21 kleine Quadrate aus kleinen übrig gebliebenen Schnipseln entstanden. Was für Möglichkeiten sich in den Kombinationen mit den Streifen ergeben, darüber werde ich mal nachdenken - rumprobieren und ja, man kann auch von dieser Arbeit Muskelkater bekommen und den werde ich heute Abend mal pfleglich behandeln.


2. März 2020

Kilometermäßig war meine heutige Tour keine große Sache. Wenn man aber kreuz und quer durch den Wald streift, Neues entdeckt oder zauberhafte Ausblicke genießt, kann die Zeit schon mal rennen. Nach 2 1/2 Stunden trieb mich dann der Hunger  nach Hause, bin ich doch ohne Frühstück los. 1 Std war die Vorgabe. Ich fand  ein Bächlein in einem Loch versteckt, ein Ponor,  das lustig plätschernd plötzlich im Nichts zwischen den Steinen verschwand. Große Bäume verdeckten den Platz, neugierig wurde ich, als ich sah, daß die Bäume in einem Loch standen, wie eine tiefgelegte Insel. Am Ackerrand fand ich runde Kugelsteine, Im Steinbruch in der Sonne glänzende Blütenstände der  wilden Clematis. Und an den Feldrändern spiegelte sich das Meer.

Die Jackentaschen voller Schätzchen gestopft, gehe ich nun vollgesogen mit Wärme und Sonnenschein wieder an den Arbeitstisch.

War ich doch auch gestern fleißig und habe die Streifen zu einer Bestimmung zusammengefaßt, soll das Bild heute noch eine endgültige Größe und Form bekommen.


1 März 2020

Sonntagskuchen. Der letzte Winterkuchen - der letzte Schnee, zumindest auf dem Mohnkuchen. Wenig Hefeteig, viel Mohnfüllung - lauwarm ein Gedicht. Macht high ;-)

Immer wenn ich die alte Backform benutze, denke ich an den aus Ungarn stammenden Keramiker. Nach einem Besuch, anfang der 8ziger bei seiner Mutter, anläßlich  einer Textilreise durch Ungarn, erwarb ich diesen Schatz, zusammen mit einem großen Beutel selbst angebautem. roten, scharfen, gemahlenen Paprika. Wir reisten damals zu den Blaudruckern,  damals gab es noch 9 Werkstätten in Aktion. Das Blaudruckmuseum in Papa krönte unsere Reise. Auch das Textilmuseum in Kiskunhalas beeindruckte uns mit den feinen Nadelspitzen und den flinken Näherinnen. Und natürlich  fanden die unterschiedlichen Blaudruckwerkstätten mit alten Modeln und Indigogefärbten Stoffen unsere Hochachtung. Heute gibt es vielleicht noch einen, in Tolna. Aus dem damals  heimlich ausgeführten Stoffschatz schöpfe ich noch heute. Jeder Stoff hat eine eigene Färbung, Indigo ist eben ein Naturfarbstoff- und da gleicht "kein Ei" dem anderen. Auf meinem Tisch liegen wieder Stoffe parat, warten auf  Gestaltung und Erinnerungen werden wach. Aber es tut jeder Schnitt in die handhefärbten, handbedruckten Stoffjuwelen  sehr weh.

 

 

 

 

Strand und Meer ...

natürlich fehlt noch   "mehr".


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