immer noch, 30. März 2020

und dann stand da noch die Nähmaschine auf der Treppe, sollte aufgeräumt werden. Soll ich doch noch Mundschutz nähen?  Kurz gedacht und gemacht. Nach 10 Stück hier mein Fazit des Tages:

 

"3.600 Atemmasken bis 23 März -und das von einer "Künstlerin".

Martina Unterharnscheidt,

Du hast meine vollste Hochachtung. Ich sitze nun bereits den ganzen Nachmittag und fitzele an meinen 10 Teilchen rum. Die Schultern hochgezogen, schon steif, der Rücken tut mir weh und ich bin noch nicht fertig damit. Unglaublich - 3.600 Stück +!"

 

Diesen Beitrag mußte ich dann schon mal schreiben ... Selbst mit Übung und fabrikationsmäßig geplanter Ausführung eine Riesenleistung.


30. März 2020

So, nach der Rede unseres Ministerpräsidenten ist klar. Verlängerung der Ausgangssprerre. Wir müssen uns sicher noch lange einschränken.  Hier dazu meine Gedanken -  und alles Gejammer hilft nichts, denn es ist, wie es ist.

Ich schaue auf ein Blatt Papier:  kann das Blatt drehen und wenden, es ist immer erst mal leer. Der eine beschreibt es, der andere bemalt es und wieder ein anderer läßt es weiß oder es zeigt sich ihm kohlschwarz. Wie das weiße Blatt, so ist auch das Leben.  Jeder hat eine andere Art es zu füllen, mancher hat eine schlechte, gute, oder auch miese Voraussetzung von Geburt an mitbekommen. Nun kommt das Gestalten des Lebens ins Spiel. Und nicht immer sind die anderen schuldig, wenn alles anders ist, als man es sich wünscht. Nun aber, wenn ich nun schon an die 4 mich umgebenden Wände reduziert werde, habe ich die Chance den Raum  zu füllen, wie das weiße Blatt.  Ein neues Arbeitsthema. Titel: Coronula Diadema. Was das soll? Stoff zum Nachdenken!

Meine geplatzte Reise - umgesetzt aus kleinen Stoffschnipseln, zwei Farben Garn, einem Rest Futter und Vlies für die Zwischenlage, habe ich heute Nacht fertiggestellt. Es hat Spaß gemacht, gute Laune und meine Wehmut hat ein Ziel gefunden.

Nun habe ich neue  Möglichkeiten. Ich kann es lassen wie es ist, rahmen und ansehen. Es könnte aber auch eine Buchhülle, ein Kissen, ein Täschchen, der Beginn einer großen Arbeit werden  oder sonstewas ...Ich laß es mal liegen ... warte ab.

Noch ein neues Buch aus dem Antiquariat habe ich  vor mir liegen. Ein Bilderbuch, das ich mir schon lange mal ansehen wollte. Vielleicht bekomme ich ja Lust, mal wieder zu filzen. Im Garten steht ein Bottich mit Schafwolle, wartet gewaschen zu werden. Es scheint zwar die Sonne, aber es ist mir einfach zu kalt. Noch, das wird sich ändern. Ein Korb weiße, gewaschene Wolle steht  auch noch parat. Spinnen? Färben?  Weben?

Auch ein fertiges Werk wartet noch auf`s Quilten. Dies und noch mehr könnte ich in Angriff nehmen. Aber irgendwie sitze ich vor dem weißen Blatt und in meinem Kopf kreisen Sternchen , Striche, Punkte, Gedanken, die nach einem Ausweg suchen. Vielleicht hilft ja auch schon der Putzeimer mit der Vorgabe - 15.00 und dann Buch lesen und dann- kommt vielleicht eine Idee. Aber auch nichts ist manchmal nichts Falsches.


28. März 2020

Heute war in der Post mal wieder ein dicker Umschlag mit Büchern. Meist lese ich ja "Fachbücher". Bücher, die mit Textilien zu tun haben. Irgendwo im Netz begegnete mir ein Film mit  Oliver Lück. Er stellte seine Reisegeschichten vor. Die ganz besondere Idee, die Kombination ,  mit einem Bus die Ostsee entlang zu fahren,  auf der Suche nach Flaschenpost,die Erlebnisse  zu einem Buch wachsen zu lassen,  hat mich angelockt. Nun halte ich das Buch in Händen und schwanke zwischen nähen und lesen. Schon gestern habe ich 2 Stunden auf der Terasse in der Sonne verbracht. Zugegeben: im Mantel eingehüllt, mit einem großen Kaffee und einer neuen, kleinen Näharbeit. Und genau das werde ich auch heute wieder tun. Mit Flaschenpostgeschichten und bunten Fleckerln den Samstag auf der Terrasse verbringen. Vielleicht auch den Sonntag. Aus dem Radio tönen Warnungen: Wer nicht zuhause bleibt, muß mit hohen Strafen rechnen. Es wird verstärkt kontrolliert. Glücklich, wer einen Garten hat, oder wenigstens ein offenes Fenster an der Sonne.     mehr über die Geschichten:   http://www.lueckundlocke.de/


25. März 2020

Irgendwie kann ich noch nicht ganz glauben, daß Portugal nicht mit mir rechnen kann. Beziehungsweise umgekehrt. Auf das 2-wöchige, bunte Leben habe ich mich doch sehr gefreut. Nun könnte ich ja mal endlich Spanisch lernen!? Das war auch schon immer so ein geheimer Wunsch , den ich vor mich hinschob. Aber ... die vielen "Aber`s" über die man im Leben stolpert, sie  gerne  auf "später", "morgen" vertagt, diese Aber`s stehen mir im Weg. Ich rechne mal weiterhin, daß ich mit Englisch ganz gut zurecht käme, wenn, ja wenn ... und stelle " lernen" wieder ganz nach hinten.

Kein aber und kein wenn und würde habe ich für meine Kaffeestunde. Tarte à Lisboa mit einem großen Espresso - das darf schon sein, zur Unterstützung der immer noch vor mir liegenden Reiseliteratur,  zur Abschwächung des Bedauerns. Beim Lesen kam mir die Idee zu einem bunten, lustigen, Stoffbild. Bunte Häuser vielleicht, wie auf dem Deckblatt des Reiseführers? Eigentlich ist das Schatzkästchen  ja die Grundlage zu "Großmutters Sommerquilt" -

Und wieder ist da dieses "Aber" - ich bin ja flexibel.   Genug Stoff ist  vorhanden - und dieses Stück muß ja gar nicht sooo groß werden. Schon diese Vorlage vermittelt fröhliche Stimmung. Also losgelegt !


24. März 2020

Seepocke, Coronula diadema, das hört sich ja doch nach Zeitgeschichte an und paßt sowohl zu unserer Quarantänenursache als auch zu meinen Meeresbildern. Ich nähe sie mit einem kombinierten Knopfloch-  und Überwendlingstich in Runden aneinander. Je nach Garnstärke werden sie unterschiedlich in der Größe. Der "Hedebostab" erleichtert das gleichmäßige Aneinanderreihen der Stiche. Er stammt aus der Heidegegend auf der Insel Seeland/Dänemark und wird zum Herstellen von  Knöpfen und Ringen  benutzt. Die Technik geört zu den Nadelspitzen und kann vielseitig verwendet werden.

 


22. März 2020

Für so viele Stiche brauche ich auch so viel Zeit. Vielleicht pro Stich eine halbe Sekunde? eine Sekunde? Neuer Faden, einfädeln, Knoten entwirren ... Die gesamte Fläche wird ca. 40x 40 cm sein. Da ich Bewegung erzeugen möchte habe ich ca. 3 Stiche per cm. So, und wer sich langweilt kann ja mal rechnen, ich stichele mal weiter inzwischen.

Die Ausstellung im Juli ist erst mal ausgesetzt. Das gibt mir etwas Ruhe, nimmt den Druck termingerecht "liefern" zu müssen. Für die Flyer, die ja schon fertig und parat zur Auslieferung liegen, werde ich einen Stempel mit neuen Daten schneiden. Wie, das kann ich ja noch austüfteln. Meine Reise ans Meer habe ich nun auch endgültig storniert-schweren Herzens. Begnüge mich mit meinem Meer im Innersten und dem aus Stoff, Farbe und Faden.


21. März 2020

 Mal was anderes -  aber immer noch "Textur"  -  diesmal eßbare Textur.

Gesund schmackhaft, preiswert, phantasievoll,  vielseitig verwendbar- auch kalt mit Dip - und schnell gemacht. Echt lecker !

QuinoaLauchKräuterBratlinge mit Frischkäsesoße, auf meinem Teller mit  Chinakohl.

Wir sollten uns auch in schwierigen Zeiten verwöhnen, gesund ernähren. Keinesfalls mit Dosenfutter begnügen ohne Notwendigkeit. Hugh - ich habe gesprochen.


17. März 2020

Gestern war ich wieder mal die Gegend erkunden und habe Neues entdeckt. Eine Mulde, ganz versteckt,  mit Wasser gefüllt - für heiße Sommertage als Rückzugsort mit einem Buch ... Einen Blockbruchwald  - warum der wohl so heißt?  Und dann war ich noch in einem Urwald auf Safari.  Wenn man zwei mal hinschaut beim Wandern, zeigen sich auch zwei Bilder -oder mehr.


16. März 2020

Quarantäne. Was bedeutet das für mich ganz  persönlich? Eigentlich erst mal nicht viel. Mein Leben wird sich nicht verändern, bin ich doch  sowieso hier im Abseits.  Der Abstand zur Umwelt ist von allen Seiten groß genug, bevorratet mit dem Nötigsten bin ich immer, gehöre  ich doch noch zu der Generation "Nachkriegskind". Als solches habe ich gelernt mit Nichts oder Wenigem auszukommen. Richtig hart trifft mich, daß ich mich  im April wohl nicht in  Fadokneipen in Lissabon rumtreiben werde, keine langen Strandspaziergänge machen kann und natürlich auch nicht die lange, lange gewünschte, geplante und leider auch bezahlte Reise in mein Traumland antreten kann. So spiele ich denn die Musik von Mariza, Carminho, Amalia Rodrigo und all den anderen "Großen" des Fado. Und wird mir das zu stimmungsbestimmend, schwenke ich eben nach Kuba und laß mir von  Ibrahim Ferrer im Buena Vista Social Club einen Cuba libre servieren. Nun, und das Meer? das nähe ich mir. Stoffe, Garne und Ideen stapeln sich zur Nutzung  für Jahre. So werde ich  zwischen Garten und Werkstatt pendeln und wissend, daß sich - für mich - nichts ändert,  fleißig sein, träumen ...

Oh, blöd, hab weder Cola noch Rum für Cuba libre in meiner Speisekammer. Aber Limetten! Hurra.


12. März 2020

Nun habe ich heute einen Karton, gefüllt mit Lesezeichen, per Post bekommen. Es ist ein schönes Gefühl die Flyer in der Hand zu halten. Danke, Anja für Deine Hilfe. Er ist wunderschön geworden.

Wieviel Neugierde wird die ausgeschriebene Ausstellung nun hervorrufen? Ob sich wohl jemand mit mir an den Strand führen läßt? Ob ich inspirieren kann, selbst zu Schere, Nadel und Faden zu greifen? Wird überhaupt eine Veranstaltung stattfinden?  Fragen über Fragen. Mir reicht es schon, wenn sich ein paar Leute über den Sinn und Unsinn meines Tuns den Kopf zerbrechen, lächeln, lachen oder zweifeln ob der Idee, daß Königstein am Meer liegt. Vielleicht macht sich ja jemand Gedanken, vielleicht denkt aber auch mancher darüber nach, wie veränderlich, zerbrechlich und schützenswert unser Lebensraum ist. Das allein wäre schon ein voller Erfolg im Vorfeld.


9. März 2020

Die Entscheidung ist gefallen,  ich habe nochmal Schnipsel verwertet, Kurven geschnitten, Sand, Strand und Meer genäht. Für die neue Arbeit habe ich sogar schon Titel und Begleittext obwohl ich noch lange nicht fertig bin mit Nähen. Aber die Richtung ist jetzt klar. Das Bild wird sich zweiteilig zeigen. Den schmalen Streifen quilte ich jetzt und hoffe, daß mir noch das Eine oder Andere zu   "Erde und Meer" einfällt. Hier schon mal die Geschichte dazu:

Vor Millionen von Jahren war hier wo wir stehen ein riesiges Meer.

Das Tethysmeer. Durch Verschiebung der Kontinente floß das Wasser ab,

es zeigten sich Riffs und  Berge,  Flüsse und Seen sowie Land. Das Land wurde geteilt, zersiedelt und mißhandelt,  Meer, Flüsse und Seen vergiftet.

 

Wird der Klimawandel neue Veränderung bringen?

 

 

 


4. März 2020

Viele Stunden schneiden und nähen stecken in dieser Arbeit der letzten Tage/Nächte. Meine Freundin "Bernina" hat mir nähen geholfen. Das Nähen mit der Maschine ist möglich, aber  .... nein, nicht sinnlos, denn hätte ich das per Hand bewältigen sollen, wäre es eine Jahresarbeit. Man muß eben immer wieder abwägen, was Sinn macht. So sind heute Nacht 21 kleine Quadrate aus kleinen übrig gebliebenen Schnipseln entstanden. Was für Möglichkeiten sich in den Kombinationen mit den Streifen ergeben, darüber werde ich mal nachdenken - rumprobieren und ja, man kann auch von dieser Arbeit Muskelkater bekommen und den werde ich heute Abend mal pfleglich behandeln.


2. März 2020

Kilometermäßig war meine heutige Tour keine große Sache. Wenn man aber kreuz und quer durch den Wald streift, Neues entdeckt oder zauberhafte Ausblicke genießt, kann die Zeit schon mal rennen. Nach 2 1/2 Stunden trieb mich dann der Hunger  nach Hause, bin ich doch ohne Frühstück los. 1 Std war die Vorgabe. Ich fand  ein Bächlein in einem Loch versteckt, ein Ponor,  das lustig plätschernd plötzlich im Nichts zwischen den Steinen verschwand. Große Bäume verdeckten den Platz, neugierig wurde ich, als ich sah, daß die Bäume in einem Loch standen, wie eine tiefgelegte Insel. Am Ackerrand fand ich runde Kugelsteine, Im Steinbruch in der Sonne glänzende Blütenstände der  wilden Clematis. Und an den Feldrändern spiegelte sich das Meer.

Die Jackentaschen voller Schätzchen gestopft, gehe ich nun vollgesogen mit Wärme und Sonnenschein wieder an den Arbeitstisch.

War ich doch auch gestern fleißig und habe die Streifen zu einer Bestimmung zusammengefaßt, soll das Bild heute noch eine endgültige Größe und Form bekommen.


1 März 2020

Sonntagskuchen. Der letzte Winterkuchen - der letzte Schnee, zumindest auf dem Mohnkuchen. Wenig Hefeteig, viel Mohnfüllung - lauwarm ein Gedicht. Macht high ;-)

Immer wenn ich die alte Backform benutze, denke ich an den aus Ungarn stammenden Keramiker. Nach einem Besuch, anfang der 8ziger bei seiner Mutter, anläßlich  einer Textilreise durch Ungarn, erwarb ich diesen Schatz, zusammen mit einem großen Beutel selbst angebautem. roten, scharfen, gemahlenen Paprika. Wir reisten damals zu den Blaudruckern,  damals gab es noch 9 Werkstätten in Aktion. Das Blaudruckmuseum in Papa krönte unsere Reise. Auch das Textilmuseum in Kiskunhalas beeindruckte uns mit den feinen Nadelspitzen und den flinken Näherinnen. Und natürlich  fanden die unterschiedlichen Blaudruckwerkstätten mit alten Modeln und Indigogefärbten Stoffen unsere Hochachtung. Heute gibt es vielleicht noch einen, in Tolna. Aus dem damals  heimlich ausgeführten Stoffschatz schöpfe ich noch heute. Jeder Stoff hat eine eigene Färbung, Indigo ist eben ein Naturfarbstoff- und da gleicht "kein Ei" dem anderen. Auf meinem Tisch liegen wieder Stoffe parat, warten auf  Gestaltung und Erinnerungen werden wach. Aber es tut jeder Schnitt in die handhefärbten, handbedruckten Stoffjuwelen  sehr weh.

 

 

 

 

Strand und Meer ...

natürlich fehlt noch   "mehr".


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