1./2. Juni

Mit der Bahn fahre ich an die Ilm ... es muß nicht immer ein "Urlaub" sein um einen schönen Sommertag zu erleben.  Morgens um sechs ist!s in  meiner Welt zwar noch "nachts", aber ab und zu finde ich den Weg um diese Zeit schon auch mal zum Bus und mache mich auf zu einer kleinen Reise. Weimar und Familie ist mein eigentliches Ziel und allein schon das verspricht immer ein schöner Tag zu werden. Ein Spaziergang an diesem Sommertag an der Ilm ist da auch noch möglich. Hier tobte wohl  ein "Sturm". Gewaltig zu sehen was er alles anrichten könnte. Der sprudelnde, hier noch kleine Fluß mit dem wilden Ufer und den singenden Vögeln, die blühenden Wiesen, Wegränder und Hecken, das alles duftet und fühlt sich genau nach Sommer an. Ich bewahre diesen Sommertag für eine Erinnerung im Winter  ;-)

 


31. Mai

 Was habe ich gemacht in der vergangenen Woche? Ein bißchen "gegartelt", ein bißchen "Wolken geguckt", von Hohenstadt nach Hersbruck gewandert, Zitronenrosengelee gekocht, gelesen, gefaulenzt, Webstuhl fertig eingezogen und angewebt, Werkstatt -schon wieder- aufgeräumt, Fenster geputzt -schon wieder- ,  mit Freunden in der Gärtnerei Augustin rumgestöbert und in dem wunderschönen angegliederten Cafè Kuchen gegessen, Kräuter gekauft und durch den  angelegten Garten gewandelt. Im Biergarten einen Abend verbracht.

Sehr eindrucksvoll und empfehlenswert  aber war die Ausstellung "Ein Koffer für die letzte Reise" in der Kaiserpfalz in Forchheim.   Was  käme in meinem letzten Koffer mit?  Ich denke, er würde leer bleiben. Neues ist immer spannend. Wozu also das Alte mitschleppen. Und trage ich nicht sowieso das ganze Leben in mir? Der Zufall spielte mir auch ein Buch in die Hände, das vom "altern" handelt . "Wenn die Kraniche nach Süden ziehen"  von Lisa Ridzèn. Eigenartig finde ich, daß die Antworten auf Fragen und Gedanken  die mich gerade beschäftigen so zufällig auf mich zu kommen,  mich quasi begleiten. Vielleicht ist unser Weg doch bereits vorgegeben ;-) 

 


28. Mai 

Irgendetwas habe ich wohl verschlafen. Es ist Hochsommer, mitten im Frühling.  Die ersten  Wiesen sind schon gemäht und die Rosen blühen. War da nicht vorher irgendetwas mit "Frühling"?  Heute war ich Schuhe, nicht kaufen, sondern bestaunen. Frauenschuhe.  Der "geheime" Orchideen - Platz ist nicht mehr so üppig bewachsen, wie in den Jahren zuvor. Aber es kommen viele kleine,  neue Pflänzchen. Das macht Hoffnung, daß diese besondere Pflanze hier noch etwas überlebt. Leider gibt es viele "Naturliebhaber", die zwischen den Pflanzen rumtanzen/rumtrampeln und rundum alles zertreten, wenn nicht gar pflücken oder ausgraben. .   Auch viele "weiße Waldvögelein"  stehen den Weg entlang. "Das Bleiche Waldvöglein oder Breitblatt-Waldvöglein ist die Typusart der Pflanzengattung Waldvöglein aus der Familie der Orchideengewächse. Im Vergleich zu vielen anderen heimischen Orchideen ist das Weiße Waldvöglein in einigen Gebieten noch häufig anzutreffen.". Noch .  Es riecht nach Sommer, ist heiß, wie im Sommer, wunderschön.

 

Der Frauenschuh gilt nach der Roten Liste als gefährdet und ist nach der Bundesartenschutzverordnung streng geschützt. Er fällt unter die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie Anhang II und steht damit unter besonderem Schutz der Europäischen Union. Hieraus ergibt sich für Deutschland für den Erhalt der Art eine besondere Verantwortung und eine Berichtspflicht gegenüber der EU. Der Schutz der Vorkommen wird dadurch auch zu einer behördlichen Obliegenheit.[Als ursächlich für die Gefährdung wird vor allem die weitreichende Forstwirtschaft gesehen, die eine natürliche Waldentwicklung und -dynamik kaum zulässt. Auch Fototourismus trägt zu einem Rückgang der Art bei, da der Boden sich durch häufiges Betreten verdichtet und dadurch neuen Exemplaren eine Ansiedlung erschwert wird. Auch Pflanzenliebhaber, die den Frauenschuh ausgraben, um ihn in ihrem eigenen Garten einzupflanzen, tragen wesentlich zum Rückgang der verbliebenen Vorkommen bei. Nicht einmal Botaniker wissen genau, welche Standortfaktoren zu einem geeigneten Frauenschuh-Biotop gehören. Die Umstellung auf das Kleinklima eines Gartens verkraften die Pflanzen gewöhnlich nicht und sterben frühzeitig ab. An zu schattigen Standorten bildet der Frauenschuh meist nur Blätter aus und verschwindet nach einiger Zeit ganz. 

laut Wikipedia

 

Der Ossinger ist eine 651,1 m ü. NHN hohe Erhebung der Fränkischen Alb im Landkreis Amberg-Sulzbach, südwestlich von Königstein. Es ist der höchste Berg der Hersbrucker Alb. Politisch gesehen befindet sich der Ossinger in der Oberpfalz, geographisch auf der Fränkischen Alb. Fußläufig von meiner Haustüre aus etwa 15 Minuten entfernt. Immer wieder gehe ich diese schönen Wege um den Ort herum, über die Wiesen und durch die Wälder.  Wäre hier noch ein Fluß oder See, wäre ich im Traumland.  Aber man kann einfach nicht alles haben !?


23. Mai

So, das waren nun zwei "harte" Arbeitstage im Garten. Mit entsprechenden Pausen. Dazwischen habe ich sogar das erreicht, was ich für nicht machbar hielt. Das Beste - bis auf ein paar Abschürfungen - ich bin heil geblieben.  Noch bin ich nicht ganz durch, aber es muß ja auch nicht alles gleich sofort und perfekt sein. Schließlich liebe ich diesen zwar geordneten und doch wilden Garten, genau so wie er ist. Auch die Sammelsurien, die mir kleine Geschichten von "früher" erzählen, gehören genau dahin , wo sie sind. Besonders mag ich die unterschiedlichen Blattformen. Und das Allerbeste: die ersten Rosenblüten zeigen sich. Agnes, zitronengelb und mit einem  Duft und Geschmack nach Zitronen ... Ja, Geschmack - und deshalb wird die nächsten Tage Zitronenrosen-Marmelade gekocht. Der Strauch ist riesig und es ist meine Lieblingsmarmelade.          Die Bibernellrose blüht auch schon ein paar Tage. Die weißen, einfachen Blüten  heben  sich gegen den dunklen Felsen ab. 

"Die Strauchrose 'Stanwell Perpetual' stellt eine historische Strauchsorte zwischen botanischer Nostalgie, arten-kultureller Kostbarkeit und einem duftenden Vermächtnis aus vergangenen Jahrhunderten dar, die bis heute durch ihre anhaltende Blütenfreude, den edlen Laubwuchs und ihrer kompromisslosen Genügsamkeit bezaubert." sagt die Beschreibung eines Rosengärtners zu dieser Rose.   Und das ganze Jahr über wird die "Stanwell Perpetual" mit ihrem intensiven Duft am plätschernden Brunnen hinter dem  kleinen Platz hoch oben blühen. Eine verborgene Treppe führt dort hin und ich habe von da einen guten Überblick auf die Form des Gartens ... wenn denn auch die Wege wieder frei zu sehen sind :-)  aber hat nicht alles seine Zeit?  Jetzt genieße ich erst mal die nächsten zwei Tage, Feiertage, was ich schon erreicht habe.


20. Mai

Der Koffer ist gepackt. Der Koffer, der die Geheimnisse der 100 bis 150 Jahre alten Hemden birgt.

Stoffe  sind zugeschnitten, Garne abgelängt, Muster sortiert, Anleitungen kopiert,  to -do- Liste abgehakt. Die Hemden, es sind über 20, kontrolliert ob alles in Ordnung ist.  Sicher verpackt.  Begleittext- und Bildmaterial bereit gestellt ... ach ja, es ist immer spannend bis alles beieinander ist, was mit verreisen soll. Nun habe ich noch genügend Zeit um noch zuzufügen, was mir noch spontan einfällt.  Noch sind es 4 Wochen bis zur Ausstellung - und ich weiß, es fehlt trotzdem immer etwas ... so ist das eben. In Ruhe und gut geplant ... und dann - meist sind es Kleinigkeiten, die vom Besucher kaum bemerkt werden, aber am Ende doch wichtig wären. Nun kann ich mich den Reiseführern der Eifel widmen und mir ein paar schöne Wanderungen aussuchen, denn das Museum/die Ausstellung hat nicht täglich geöffnet,  somit habe ich zwischen den Museumstagen Zeit für Erkundungen in der Umgebung.                                              

                                       www.handweb-museum.de

 


17. Mai

 Gestern habe ich mich einmal wieder auf den Weg zur "Nadelwelt" in Karlsruhe gemacht. Abwechsungsreich und vielseitig war die Ausstellung der Textilküntstlerinnen.

Es war angenehme Stimmung, kein Gedrängel, keine Hast und Eile. Und ja klar, Lieblingsstücke fand ich dann auch. Tolle Arbeiten zum leider immer noch aktuellen Thema "Gewalt gegen Frauen" mit dem Titel "orange the world"   mehr:  rhein-mqg.de

Sehr feine Arbeiten der in Finnland lebenden Irina Malyukowa zum Thema Umwelt sowie die zarten, naturalistischen Stickereien in  klassischer Crasy Quilt Art der Französin Chantal Robin Gaboriaud der Gruppe "Quilt Èn Reve" (Instagram) Sie saß an einer Crazy Quilt Arbeit, stickte zauberhafte, finigrane Mini- Blumensträußchen auf Seide ... ach ja, und noch so manche Inspiration und Augenweide -  die Zeit flog .... Stoffe konnte man kaufen und Garne, leider war kein Stand der mit "mehr Zeit" handelte.

Stoffe und Garne - ich arbeite ja fast ausschließlich mit Pflanzen gefärbten alten BW- und Leinen-Stoffen, so daß ich mit voll beladenem Gehirn aber leeren Beuteln wieder zu Hause  bin., in Arbeit habe ich eines der vielen  UFO's ...(unfertige Onjekte) , sitze mit Nadel und Faden still in einer Ecke und sinniere über weitere, neue Möglichkeiten und Kreationen nach.

 

 


          www.handweb-museum.de

               Sonderausstellung: „Das Hemd

                    21. Juni bis 19. Juli 2026

 

Das Handwebmuseum Rupperath widmet sich der Erhaltung und Präsentation alter Handwerkstechniken zur Herstellung von Textilien.

Wie wurden Stoffe vor der Industrialsierung hergestellt? Welche textilen Techniken haben andere Völker entwickelt?

Antwort auf diese Fragen gibt das Museum in seiner abwechslungsreichen und gut fundierten Ausstellung. Exponate aus vielen Epochen und Kulturen zeigen die große Bandbreite der Spinn- und Webkunst in aller Welt.

Handwebwerkstatt und Handwebmuseum werden ergänzt durch eine Ausstellung, die das Herz von Textilfreunden höher schlagen lässt. Über einen barrierefreien Eingang erreichen Sie das Museum.

Lassen Sie sich bei einer Führung durch das Museum die Arbeit mit dem Wollwolf und den anderen Spinn- und Webgeräten erklären und vorführen und erleben Sie, dass die alten Handwerke noch nicht vergessen sind.

 

 

Das Hemd - Urbild des Gewandes - eine Ausstellung von Johanna Spaethe, Königstein

Das Hemd begleitet den Menschen seit Jahrhunderten – als Schutz, Arbeitskleidung, Festgewand und persönlicher Ausdruck. Unsere kommende Ausstellung „Das Hemd – Urbild des Gewandes“ widmet sich historischen Hemden aus Leinen, ihren Formen, Stickereien und Geschichten.

Ausgehend von einer Sammlung handgenähter und kunstvoll bestickter Hemden entstand bereits 1998 eine besondere Ausstellung, die seitdem viele Besucher zum genaueren Hinsehen angeregt hat. Jedes Stück erzählt von Alltag, Handwerk und textilem Können vergangener Zeiten – und manches alte Hemd wurde dadurch vor dem Vergessen bewahrt.

Freuen Sie sich auf eine spannende Reise durch die Kulturgeschichte eines Kleidungsstücks, das uns bis heute näher ist „als der Rock“.

 

Handwebmuseum Rupperath
Schulweg 1
53902 Rupperath / Bad Münstereifel
www.handweb-museum.de


9.Mai

Mit der Bahn nach Forchheim zum Kunst- und Designer Markt. Ja, doch, da hätte mir schom einiges gefallen. aber es blieb beim Bummel durch Markt und Stadt. Manchmal muß man auch nur schauen.


8. Mai

Ein bisschen schräg , heute in Nürnberg. Meine Kondition ist noch nicht so toll, aber die "alten" Schätzchen in der Nürnberger Innenstadt,  Flair und Wetter, das macht einfach Spass. Und nein, nichts von dem , was ich gerne gehabt hätte, hat auch den Weg mit nach Hause gefunden. Nur die Erinnerung bleibt. Soooo viele Geschichten erzählt so ein Markt...

Kinderträume ... heute und gestern.


6. Mai

 Lange, lange schon schleiche ich an Bäumchen mit Zitrusfrüchten herum. Aber, aber  ... so viele Aber's. Einen Platz hatte ich dafür schon immer. In meiner Vorstellung, stehen an meinem Lieblingsplatz hohe Stämmchen und Sträucher mit wunderbar duftenden Blüten und erfüllen den Raum mit mediterranem Flair. Vorstellungen entsprechen nicht immer der Wirklichkeit und mein Verstand sagte mir immer wieder: "Du wirst das Gießen vergessen, es ist zu kalt im Winter, sie brauchen Zuspruch und Pflege und Du bist meist irgendwo aber nur selten zu Hause". Nun bekam ich im April  dieses hübsch gewachsene Bäumchen, das genau eben an diesen Platz passt, geschenkt. Es ist voller Knospen  und die ersten 5 Blüten erfüllen den Raum bereits voll und ganz. Nun, ich werde lernen, es am Leben zu erhalten. Das geht am Leichtesten, indem ich die davor stehende bequeme Couch sehr oft nutze. Es muß ja nicht immer in einer Werkstatt  ausschließlich gearbeitet werden! Den Blüten beim Duften zusehen ?  Doch das geht.


3. Mai 

"Spinnereien"  - Spinnen mit dem Spinnstock, mit der Spindel, mit dem Spinnrad ... Stricken, Kettfäden für einen Wollteppich ablängen, Zwirnen, Spulen, Haspeln, Wickeln,  feines Essen und Trinken und gute Gespräche über Schafe, Wolle und zwischen Menschen ... Eine richtig gute Gruppe, ein bunter Haufen Gemischtes ...

Und dazwischen und mittendrin 5  Hunde, Hütehunde. Natürlich rollte auch hier das Wollknäuel und der Faden wickelte sich um Menschen- und Tierbeine. 


29. April

Kleiner Zwischenbericht: Die Kette für den Läufer hängt noch an der selben Stelle, und auch ich hänge immer noch in der Warteschleife auf einen schmerzfreien Alltag. Ich genieße allerdings auch das "Nichts" tun. ;-) , verbringe Zeit im Liegestuhl auf einem dicken Schaffell und zähle die Rosenblätter über mir, die täglich ein Stückchen wachsen. Ach ja, das muß auch mal sein, so eine Auszeit von Allem. Und ja, ich kann gerade ganz gut all das Nötige ignorieren.   Am vergangenen  "Familienwochenende" habe ich sogar zwei Wanderungen geschafft. Am Montag war's  aber wieder vorbei mit der Motivation. Am kommenden Wochenende treffen sich wieder Spinner und Stricker zu den "Spinnereien"  - mal sehen ob ich dabei sein kann.


15. April

So, und da hängt sie nun, die Kette, im Webstuhl parat zum Aufbäumen. Ebenso hänge ich. Ich hänge in der Warteschleife, denn seit Donnerstag kämpfe ich mich mit meinem Ischiasnerv herum. Immer wieder macht er sich bemerkbar und quält mich. Diesmal ist es egal, wie und wo ich mir es bequem machen möchte, um abzuwarten, bis er sich wieder beruhigt. Sitzen, stehen, liegen ... alles außer langsam bewegen und gehen  versuche ich zu vermeiden.  Nun, so blicke ich eben auf das bunte Allerlei, das ich gerne erledigen möchte und tue nur das Nötigste. Seit heute morgen um acht laufe ich mit meinen Socken in der Jackentasche herum. Nicht, weil ich keine Zeit habe, sie schnell mal eben überzustreifen, sondern weil ich einfach nicht nach unten komme ohne extremen Schmerz. Morgen werde ich gerettet, jedenfalls hat es bisher immer sehr schnell geholfen,  ich werde mich einer "Dorn Therapie"  unterziehen. Bis dahin muß ich eben tapfer sein  :-) . Ob dann die bunte Kette weiterhilft, mich bei Laune zu halten?

Manchmal werden Wunschträume wahr !

 



10. April

Es tut sich mal wieder was in der Werkstatt. Ein Webkurs findet statt, ich habe mich erweichen lassen. Aber ja, es macht wie immer Spaß. Kette für den Hochwebstuhl berechnen, schären und in den Reedekamm einlesen war das Pensum des ersten Tag für eine Unterweisung in das Einrichten eines Webstuhls.  Der nächste Teil wird das Aufbringen der Kette und das Einziehen der Fäden in Litzen und Kamm sein. Hierfür möchte ich aber erst Garnfarbverlauf, Breite und Länge vorbereiten. Der Tischläufer, den mir die Minimaus zerfressen hat, vermisse ich sehr. Ich will ihn unbedingt ersetzen.  Gut, daß es heute erst mal regnet, so kann ich gleich loslegen und das schlechte Gewissen plagt mich nicht zu arg. Gartenarbeit kann noch ein bißchen warten. Und Wolle zum Färben samt Töpfe  stehen auch noch parat. Der Tag hat ja noch ein paar Stunden ;-)  Und doch werde ich den Abend heute im Wirtshaus verbringen ..."Eisi & Band" machen Musik und dazu gibts lecker Bier (alkoholfrei, muß sonst ja heimwärts über den gesamten Marktplatz torkeln:-)" Vielleicht noch ein kleines "Dolden Dark"? Mal sehen...


7. April

 Und dann habe ich doch alle Vorsätze über den Haufen geworfen, bin in in den Zug gestiegen um auf den Spuren der Dichter und Denker zu wandeln. Eine wunderschöne Wanderung führte zum Wielandgut Oßmannstedt in der Nähe von Weimar. Christoph Martin Wieland  erwarb das Gut  das als sein Rückzugsort und literarische Wirkungsstätte diente. Hier übersetzte er antike Schriften, verfasste Novellen und Romane, gab Zeitschriften heraus und empfing zahlreiche Gäste. Zu seinen Besuchern gehörten Goethe, das Ehepaar Herder, Herzogin Anna Amalia, seine Jugendliebe Sophie von La Roche, Sophie und Clemens Brentano, Jean Paul und Heinrich von Kleist und nun auch ich  :-) . Von Wieland begleitet, verfassten sie hier ihre Werke. Ein hübscher Ort. Die Wanderung ging vom Park aus teilweise entlang der Ilm, in absoluter Stille, nur begleitet vom  Glucksen des Flußes und dem Gezwitscher der Vögel. Nicht zu warm aber sonnig mit immer wieder wechselnden Frühlingsdüften und -farben. Ein Osterspaziergang wie aus dem Bilderbuch. Und dazu paßt doch perfekt Goethes Osterspaziergang:

                          " Vom Eise befreit sind Strom und Bäche                                                                                       Durch des Frühlings holden, belebenden Blick,

                           Im Tale grünet Hoffnungs-Glück;
                           Der alte Winter, in seiner Schwäche,
                           Zog sich in rauhe Berge zurück ..." 

 

Färberwaid stand noch auf meinem Programm. Ziel: die Krämerbrücke in Erfurt, nicht zuletzt auch wegen dem "Eiskrämer".  Auf der Brücke sind kleine Manufakturen wie der blaue Laden, der sich auf authentische Waidfärbung, inspiriert von mittelalterlicher Handwerkskunst und japanischem Shibori-Stil spezialisiert hat und neben anderen kleinen, feinen Lädchen die Schokoladenmanufaktur "Goldhelm". Puppenspieler, Trödel, Kräuter, Galerien und andere Handwerker... 

und noch in dieser Woche wird "Blau" und Rot in meiner Werkstatt gemacht -  gewaschen ist die Wolle schon. 

auch ein bißchen Weimar lag auf dem Weg der kleinen Wochenend- Oster- Reise. Durch den Ilmpark, die Innenstadt zum Bahnhof und wieder nach Hause.  


4. April

Das Geschnipsel, das die beiden Mäuse für mich vorbereitet haben, werde ich jedenfalls in mein Papier integrieren. Papier schöpfen und dann zusammen mit Pappmaché und geschöpften kleinen Bögen aus Stoff und Anderem zu einer Schale formen - das ist mein Ziel. Aber erst muß ich das Chaos beseitigen, das bei der Mäusejagd und der damit zusammenhängenden Putzaktion angefallen ist. Nun, es ist wie es ist !

Meine Strategie mich zu  motivieren, ist ja, ans Ende eine Belohnung zu stellen. Ich steige also am Karfreitag morgens in den Zug um in das Freiluftmuseum Bad Windsheim zu fahren. Alte Häuser faszinieren mich immer wieder. Kleine Details, wie handgemachte Riegel, selbstgebaute Kleinmöbel  und, und, und ... meist altes Handwerk, kaum Industrieware. Diese Museumshäuser sind allerdings befreit vom Alltagsmief, sauber und aufgeräumt. Sicherlich war es mühselig und aufwändig vor 100 Jahren gelebt zu haben. Ein Stückchen dieser Zeit habe ich ja für mich gerettet, fühle mich sehr wohl in und mit meinen alten Schätzchen, möchte keines missen. Vor Allem nicht meine  Spinn- Web- und sonstigen Geräte, die mich begleiten und meinen Alltag bereichern.

Meine "neuen" Gerätschaften, allerdings inzwischen auch schon fast 50 Jahre alt, haben nicht den Charme, wie zum Beispiel dieser alte Webstuhl. Sitzt da nicht noch die Weberin bei der Arbeit? Am alten Webstuhl? Der Kachelofen strahlt wohlige Wärme ab, in der Ecke das Spinnrad surrt und die Schäfte und Tritte schlagen den Takt ... Tja, so einfach war das damals aber sicher nicht. 

Hier hatten die Tiere einen besonders edlen, kunstvoll gebauten Stall. 

Die unterschiedlichen Anstriche, gerollte Farbmusterreste inspirieren mich sehr. Meine nächste Vorlage für eine Collage?


30. März

Nachdem ich den letzten Raum für den Frühlingsputz aufgehoben hatte, die ganze Aktion überschaubar war und ich einen Aufschub geplant hatte um das Wochenende über zu pausieren, ein bisschen Kreatives dazwischen zu schieben, nachdem ich  noch schnell ein superleckeres, knuspriches Roggenbrot aus dem Ofen geholt hatte,   .... kam alles doch ganz anders.  Nachdem ich mein Bild mit den Felszeichnungen endlich fertig habe kann was Neues auf den Tisch kommen. Ich hatte mir alte Zeitungen vorgenommen, zerrissen und geflochten. In Gedanken weitere Zutaten und eine Form überlegt ... Genau, es sollte eine Schale aus Papiermache entstehen- eine Art geformte Collage. Nicht nur... ich wollte Federn, Pferdehaare Wolle und zerrissene Stoffstreifen mit einbauen .... mehr verrate ich erst mal nicht. Und dann kommt das "Aber" daher.

Ich gehe in meine noch ungeputzte, aber schon teilweise geordnete Werkstatt, will nach Stoffresten und anderem Material suchen, öffne eine Kiste und .... da springen mir doch (wieder) zwei kleine Mäuse entgegen.  Ich bin sooo sehr erschrocken ... und ganz schnell fliehend habe ich den Raum verlassen, die Türe hinter mir schnell fest verschlossen.

Ich bin wirklich nicht ängstlich und ich weiß, daß sie vermutlich schon länger bei mir unbeachtet wohnen, mir nichts tun werden   ...  aber Mäuse, nein das geht nun gar nicht.  iiiiiiii  Obwohl - in ihrer Gesellschaft hatte ich vergangene Woche schon die Sonne auf dem Sofa mit einer Tasse Capuccino genossen, - sie hatten mich dabei sicher beobachtet  ... und wer weiß wie viele das eigentlich noch sind ???

Ich habe jedenfalls einen "Kammerjäger/in" bestellt.  Sie wird mir ab morgen helfen die kleinen, niedlichen  Biester auf den Friedhof zu begleiten. Und ja, es muß sein. 8 Fallen könnten ja reichen, die Plage endgültig zu beseitigen?  Und im nächsten Herbst?  Ein Maienkätzchen vielleicht? Eines, das mir täglich ein lebendes oder totes Geschenk macht?   Oh je, was für eine Misere .... Theodor Storm hat dazu mein Lieblingsgedicht geschrieben und  beim aufkommenden Katzenwunsch erinnere ich mich daran, wo das hinführt. Und für die Mäuse gilt das nicht weniger: wehret den Anfängen! Sie hatten jedenfalls einen warmen Winter :-)

von Katzen , von Theodor Storm 1848

Maienkätzchen

 Vergangnen Maitag brachte meine Katze
Zur Welt sechs allerliebste kleine Kätzchen,
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzen Schwänzchen.
Fürwahr, es war ein zierlich Wochenbettchen!
Die Köchin aber, Köchinnen sind grausam,
Und Menschlichkeit wächst nicht in einer Küche –
Die wollte von den sechsen fünf ertränken,
Fünf weiße, schwarzgeschwänzte Maienkätzchen
Ermorden wollte dies verruchte Weib.
Ich half ihr heim! – Der Himmel segne
Mir meine Menschlichkeit! Die lieben Kätzchen,
Sie wuchsen auf und schritten binnen kurzem
Erhobnen Schwanzes über Hof und Herd;
Ja, wie die Köchin auch ingrimmig drein sah,
Sie wuchsen auf, und nachts vor ihrem Fenster
Probierten sie die allerliebsten Stimmchen.

Ich aber, wie ich sie so wachsen sahe,
ich pries mich selbst und meine Menschlichkeit. –
Ein Jahr ist um, und Katzen sind die Kätzchen,
Und Maitag ist's! – Wie soll ich es beschreiben,
Das Schauspiel, das sich jetzt vor mir entfaltet!
Mein ganzes Haus, vom Keller bis zum Giebel,
Ein jeder Winkel ist ein Wochenbettchen!
Hier liegt das eine, dort das andre Kätzchen,
In Schränken, Körben, unter Tisch und Treppen,
Die Alte gar – nein, es ist unaussprechlich,
Liegt in der Köchin jungfräulichem Bette!
Und jede, jede von den sieben Katzen
Hat sieben, denkt euch! sieben junge Kätzchen,
Maikätzchen, alle weiß mit schwarzem Schwänzchen!
Die Köchin rast, ich kann der blinden Wut
Nicht Schranken setzen dieses Frauenzimmers;
Ersäufen will sie alle neunundvierzig!
Mir selber, ach, mir läuft der Kopf davon –
O Menschlichkeit, wie soll ich dich bewahren!
Was fang ich an mit sechsundfünfzig Katzen! –

 


22. März

Frühlingsanfang - ja, aber das ist noch nicht das Ende von Kälte. Noch heize ich, wie im Winter. Noch ist  in meinem Garten bis auf kleine Primeln und Spitzen von allem Möglichen nichts zu sehen. Doch. halt : Bärlauch. Den ersten Salat damit  habe ich schon geerntet. Sehr lecker! Da ich "Carsharing" mache, habe ich im Augenblick kein Auto. Der Weg zum Biobäcker ist somit ein "Umstand". Also backe ich lieber selbst. Überhaupt bin ich im Momment eher "Hausmütterchen" als "Textilkünstlerin" - Textil vielleicht, aber Künstlerin zu sein fällt mir gerade sehr schwer. Aber das wird schon wieder ....

Inzwischen bieten  5 von 18 Fenstern wieder Durchblick. Winterliches ist abgeräumt, Frühlingsbunt macht überall frische Stimmung. Langsam wache ich aus dem Winterschlaf auf und vertreibe die Überreste  von Winter- Staub aus den Räumen.  Auch das ist körperliche und geistige "Bewegung" ... Alles geht nun mal nicht auf einmal. Putzen und Ordnung halten, Küchenfee sein und Wandern, an Kultur und Events teilnehmen, die neuesten Bücher lesen  und kreativ aktiv sein ... Das Problem, daß die Zeit so schnell verfliegt, liegt nicht an der Zeit an sich, sondern an den unendlichen Anforderungen, die wir an sie stellen.  Deshalb mach ich mir mal wieder, entgegen meinem Freiheitsdrang, den ich in mir habe,  Arbeits - Pläne. Mit Belohnungsoptionen, wenn ich ein Pensum geschafft habe. Das macht letztendlich zufriedener, als alles vor sich hin zu schieben und dem  "Morgen" den Vorrang zu geben, den Berg an "muß noch gemacht werden" anwachsen zu sehen. Yes ... so sitze ich auch  heute am PC. Habe irgendwie ein Tohuwabohu auf dem Bildschirm. Irgendetwas ist schief gelaufen und ich muß mühselig einen Ordner nach dem Anderen versenken ... Das tue ich nebenbei schon seit einer Woche ... langsam, sehr langsam  wird er leer, nachdem er immer wieder streikt. Aber es wird schon werden  ... Manchmal überlege ich aus welchem Fenster ich das Ganze werfen könnte ... Verzichten mag ich auf dieses Spielzeug aber dennoch nicht, denn viel, gerade im Textilen Bereich und an Komunikation möchte ich ungerne missen.  Obwohl es langsam sehr  lästig und mühselig ist, zu ertragen was da so in den "öffentlichen Medien" geboten wird. Und vor Allem wenn man es nicht angefordert hat.  

 

Winterduftschneeball.      frisch gebackenes Körnermischbrot              Dinkelweißbrot

                                                  mit Bärlauchsalat und Wiener Schnitzel - so lecker ... Lohn nach Kücheneinsatz - Fenster - Regale - Geräte - Fußboden - alles blitzblank geputzt. 

                      ;-)                                                                                      

Übrigens - seit 2012 "folge" ich einer Textilerin aus NY. Ich entdeckte sie als ich einen  Text von ihr las und Bilder sah.  Es war, als läse ich meine eigenen Gedanken und als seien ihre Arbeiten in der Technik  meinen sehr ähnlich.  Vielleicht gibt es doch "Doppelgänger" .   Ihr letzter Text ist wieder so ein Gedankengang wie fast jeder, der meinem Kopf entsprungen sein könnte:

" I’m bored with myself, you know what I mean? Anyway, let me wander off a bit. Find a new path. That’s one thing I like about snow, anywhere is a new path."   

So bin auch ich  auf der  Suche nach einem neuen Weg ...


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