Jacke wie Hose

Idee und Entstehung eines Quilts

Es ist "Jacke wie Hose", der Begriff entstand bei der Fertigung von Anzug und Kostüm und entstand im 17.Jahrhundert. Er steht heute für "Gleiches", für"egal".

 

Mein Anliegen beim kreativen Tun ist nicht, etwas zu fertigen, sondern Stück für Stück entstehen, wachsen zu lassen. Nicht gerade Nähte, winkelgenaue Ecken, sorgfältig vernähte Fäden sind mir wichtig. Auch nicht "so schnell, wie möglich" ist das Ziel. Der momentanen Eingebung folgend, nach Lust und Laune arbeite ich. Nach der sich ergebenden "Geschichte", die mir gerade begegnet...mit dem Blick auf das "Ganze". Das kann das Zusammenspiel von Farben, Material, Technik oder auch Themen sein.

In diesem Fall ist es ein Stapel alter Jeans und einiger kleinen Musterproben der japanischen Flicktechnik , genannt "Boro" die sich zu einem Bild zusammenfügen.

"Boro" heißt "zerrissener Stoff". So nennt sich die liebevoll reparierte Kleidung der Landbevölkerung Japans. Kleine und kleinste Stoffrestchen wurden auf schadhafte Stellen mit kleinen Vorstichen befestigt, manchmal in mehreren Lagen.

 

 

 Mein "Boro" soll eine Bettdecke werden. Juni/Juli 2015 beginne ich kleine Teile zusammenzusuchen, die ich schon bearbeitet hatte und alte, kaputte Jeans zu zerschneiden, neu zusammenzusetzen und mit anderen, mit Indigo gefärbten,Stoffen zu kombinieren. Die Flicken habe ich erst mal zusammengelegt, teilweise zusammengefügt und nun noch einige Lücken gefüllt. Ein bischen Farbe noch hier und da und manches wurde wieder ausgemustert...Auch fehlte noch jede Menge Stichelei von Hand.... das Ganze bekam jedoch langsam ein Gesicht. Im August habe ich die Teile zu Blocks zusammengenäht, meist von Hand. Und dann ist Anfang September

das Top fertiggestellt..

 

Der nächste Schritt steht an....jetzt soll es gequiltet werden. Quilten ist das Zusammenfügen von Vor-und Rückseite um eine Füllung festzuhalten, wie ein "Sandwitch". Vorstiche folgen einem Muster.

Welchem? ....Ich muß nachdenken...

gehe am See spazieren. Fische springen, schnappen nach Luft, schwimmen weiter. Es bilden sich Punkte, sie erweitern sich zu Kreisen, fließen auseinnder, bewegen sich zueinnder oder vermischen sich.

Eine Weile beobchte ich das Spiel, dann "sehe" und finde ich so mein Quiltmuster auf dem See. Die geriffelte Oberfläche, ein zufällig entstandenes Muster. Die gequilteten Kreise werden nach Fertigstellung die Rechtecke, Quadrate und die runden Symbole vom Top miteinander verbinden. Diese so entstehenden Muster symbolisieren Werden und Vergehen...das Ganze zeigt somit das Ineinandergreifen und verfließen von Grenzen....es ist alles aus demselben Stoff...Jacke wie Hose. Dass der Stoff aus dem das "Bild" entstand auch eine jeweils eigene Geschichte hat unterstreicht das Thema noch zusätzlich. Und es bildet gleichzeitig schon den Stoff für eine neue Geschichte. Wie wär`s mit einer "Jacke aus Hose"?

 

 

Ein halbes Jahr haben mich also somit, kaputte Jeans begleitet. Die Idee, die kleinen Teile so zusammenzusetzen stammt vom Flickwerk aus Japan und  "Jacke wie Hose" nenne ich die nicht ganz klassisch gearbeitete Decke weil es letztendlich egal ist woher Jemand oder Etwas stammt, wie es aussieht und was es darstellt,  ist letztendlich aus dem gleichen Grundstoff.

Ursprünglich war jedes kleinste Teil ein Ganzes. Reduziert auf eine kleine geometrische Form, neu zusammengesetzt, ergibt sich wieder etwas neues Ganzes, zu einer neu zusammengewürfelten Gemeinschaft kleiner, sich fremder Teile verschmolzen. Jeder Partikel mit unterschiedlichsten Eigenschaften, verschiedener Herkunft, Farben und Qualitäten ergänzen sich zu einem bunten Potpourri….

Die Ausstellung, für die ich dieses Thema bearbeitet habe hieß "Grenzgängerinnen" und ist, obwohl der Titel vor 2 Jahre zuvor gewählt wurde,  auch heute sehr aktuell......und sind nicht auch wir Menschen alle gleich, zwar mit  Unterschieden, aber doch aus demselben Stoff?