Nadelarbeiten

Stickbilder


Oft erzählen  Nadelarbeiten lange Geschichten. Zum Beispiel der Teppich von Bayeux. Wie ein spannendes Bilderbuch aus  11.Jh. erzählt  es  die Geschichte von der Schlacht bei Hastings, auf einer Größe von ca. 0,52 x 68 m.  Er ist aber auch Materialkunde, erzählt von Pflanzenfarben, Stichen, Stoff…

Viele alte Teppiche, gewebt und gestickt berichten vom Leben  der jeweiligen Entstehungszeit. Textilien sind leider aber auch  sehr vergängliche Zeitgeschichte. Schreiben, nein... nähen, sticken wir neue Geschichten....


Granatapfel

13. Januar 2017

 

Freitag, der 13.,  ich habe es trotzdem gewagt, Granatapfelsuppe zum Färben von unterschiedlichen Stoffen angesetzt. Ein  Topf mit mal nur den  Kernen, nur warm gemacht, etwas zerdrückt und … jetzt lasse ich das erst mal stehen.

Zweiter Topf  mit Granatapfelkernen inklusive Schalen ein Stündchen gekocht, abgesiebt und das Färbegut darin versenkt. Das Ganze soll jetzt  auch erst mal stehen, ziehen , sich mit dem Stoff verbinden …

 

Im vergangenen Jahr hatte ich mir eine Vorlage gezeichnet. Einen Granatapfel. Er ist ein altes Symbol für Fruchtbarkeit. Mal sehen, wie ich die Zeichnung umsetzen werde. Aber erst müssen die Grunlagen geschaffen werden.

 

 

 

Das Grundmaterial, mit dem ich arbeiten möchte, sind unterschiedliche Stoffstückchen. Seide, Leinen, Baumwolle, Wolle. Etwas Wolle, die verfilzt und versponnen werden soll , das Ganze mit Granatapfel gefärbt.

Das Ergebnis der Färbung ist überraschend. Die Färbung mit den Schalen und Früchten, ca 1 Sdt siedend, auf alaungebeiztem Stoff ist ein ins Apricot gehendes Gelb. Auf dem Foto erscheint es eher rosa. Kann nur das Auge die natürliche Farbe wahrnehmen? Rechts die drei Stoffe, sind ein wunderschönes, klares, leuchtendes goldgelb auf (links)Wollmousseline , Honan- und Duipon- Seide.

Ganz links und Mitte unten ist ein Altrosa, in nur Kernen1 Tag und eine Nacht ohne Vorbeize gefärbt.  Egal was, wie und warum ... es sind wunderschöne Farben und genau richtig für das, was es werden soll. Der Untergrund für Granatäpfel ...


Ende September 2016

beginne ich ein neues Projekt. Die Quadrate lassen mich erst mal nicht los.  So nähe  eines nach dem anderen. Mal klein, mal größer. Ab und zu füge ich ein mit Pflanzen gefärbtes  ein. Ich benutze nur kleine Reststückchen, die ich eigentlich wegwerfen könnte, wenn, ja,  wenn ich es denn könnte.  In der "english piecing" Methode nähe ich mit der Hand  mit kleinen Überwendlingsstichen immer drei aneinander, allerdings ohne Papier. Statt dessen habe ich drei Schablonen aus Karton geschnitten, als Maß.

1,8 cm, 3,5 cm, 4,5 cm, zufällig gewählt. Ab und zu lege ich alles aneinander, um zu sehen, wie es aussehen könnte. Spiele Puzzle.  Für ca. 1m² reicht es schon. Nachdem ich aber noch keine Idee habe, wie ich es gestalten werde, nähe ich mal weiter, eins nach dem anderen. Immer, wenn ich gerade Zeit habe.

Ein Quadrat fiel aus dem Rahmen. Um etwas Abwechslung zu haben, hab ich mal kurz den Herbst eingefangen.  DIN A 4.

Dabei sind mir Gedanken zur Zeit gekommen.

"Tag- und Nachtgleiche, hell und dunkel, das Vergangene und das Bevorstehende, der bunte Herbst und der nahende Schnee...halb und halb. Halb voll oder halb leer?"

Für die Quadrate brauche ich Stich für Stich Zeit, verbrauche ich Zeit. Jeder Stich eine Sekunde. Lebenszeit.

"Lebenszeit", das könnte ein schönes Thema sein um die Quadrate zu präsentieren, mit ihnen zu weiter zu arbeiten. Zeit darzustellen.


13.Juli 2016

Stuff for thougt

"Stuff"  ist: Sachen, Zeug, Dinge, Kram, Gewebe, Stoff ....ich wähle mal den Begriff: "Stoff".

Leinen, Baumwolle, Wolle, Seide, Materialien aus welchen seit Menschengedenken Bekleidung und Dinge des täglichen Gebrauchs hergestellt werden. Diese von mir verwendeten  Gewebe sind Schnipsel oder alte, zum Wegwerfen bestimmte Kleinstteile aus meiner Restekiste. Aus Achtung vor dem Material kann ich sie einfach nicht wegwerfen.  So entsteht daraus  nun  ein Bild. Ein Bild zum Nachdenken und zum genauen Hinsehen.

Das Bild ist ein Beitrag zu einer Ausstellung  im September im Nürnberger Rathaus unter oben genannten  Titel.

"stuff for thougt"  ... Zeug oder Material zum  Nachdenken. Nachdenken über unseren Umgang mit, in meinem Fall, Textilien. Woher kommen sie ? wohin gehen sie?  Wie werden sie hergestellt? und  von wem? Tragen wir nicht alle eine  reine, weiße Weste? Wissen wir immer woher unsere Textilien wirklich kommen? Wollen wir es wissen?

"Bloody trade" soll meine Beitrag heißen.

Die Arbeit besteht aus Symbolen, die Geschichten erzählen.

So steht die Grundfarbe weiß  für die Summe aller Farben. Und die sprichwörtliche weiße Weste.

Die einzelnen kleinen und kleinsten Teile stehen für „sammeln“.

Kleinste Mengen, zusammengelegt geben eine große Fläche, haben große Wirkung.

Jeder kleinste Gedanke, lange genug zusammengetragen, hat irgendwann eine Tat zur Folge. Auch für Menschen, kleine, große, vielfältige ... stehen die einzelnen Teile.

Die Farben der Nähfäden sprechen von Angst und Not, Schmerz Trauer und Aussichtslosigkeit, Krankheit, Hoffnung, ebenso die  Nähmaschinennadeln. Sie  stehen auch  für Mechanisierung und das Leid, das mit dem  Ersatz der Menschen durch Maschinen entsteht.

Namen zu nennen zeugt vom Wissen, dass es um Menschen, Persönlichkeiten geht.

Näh-Stickstiche und Techniken erzählen  von uralter Kenntnis und Fertigkeit sowie Tradition weltweit.

All diese Verbindungen sollten uns zum Nachdenken anregen.  Zum Nachdenken über die Rechte des Menschen.   Rechte!?  Stuff for thougt ...

 

 

Aus kleinsten Schnipseln schneide ich spontan und unüberlegt kleine Quadrate und Rechtecke. Je nach Stoffgröße setze ich sie erst mal immer zu Paaren zusammen. Jeweils zwei unterschiedliche Stoffqualitäten oder Farbnuancen. Ich nähe mit Überwendlingsstichen nach der "english piecing" Methode, aber ohne Papierschablonen. Es ist mir nicht wichtig, ob jedes Teil exakt gleich gearbeitet  ist. Es ist ein Teil meiner  Vorgabe, Geschichte, daß Vielfalt und Unikates entsteht.  

Ich suche mir zusammenpasende Teile aus und nähe Streifen, Quadrate, oder Rechtecke zusammen. Auch kombiniere ich  miteinander und ergänze mit Fehlendem, schneide hier und da ein Stückchen ab oder ergänze mit einem anderen, größeren Teilchen. So entsteht eine unregelmäßige Fläche. Je nachdem was ich bezwecke entstehen so Quadrate, die ich dann später wieder kombiniere, neu anordne und zusammen-setze. Manchmal bearbeite ich diese Quadrate auch einzeln vor dem Zusammennähen mit Zierstichen oder in der Technik des "Boro", Flickwerk aus Japan. Der Faden mit dem ich die Teile zusammen nähe ist manchmal rot, blau oder weiß. 

Für die Schrift  benutze ich verschiedene einfache Stiche.  Mit Kreidestift  schreibe ich die Namen  in meiner Handschrift vor, unregelmäßig. Dann nähe ich mit kleinen Vorstichen die Kontur und  sticke dann mit Schling-oder Kettstich diese Kontur nach.


Vogelflug

Sommer in Dänemark  " Vogelflug", 

so nannte ich dieses Bild. Da ist es auch entstanden. An einem Sommersonnentag am Meer.

Später:       Das Bild hatte ich mitgenommen in eine Ausstellung.  Eine ältere Dame ist in Abständen immer wieder vorbei gekommen. Schließlich verhandelte sie mit mir. Sie erzählte mir, daß sie alle Bilder im Treppenhaus entfernen mußte. Ihr Mann hat Alzheimer und ist wohl immer wieder angestoßen und das Eine oder Andere ist kaputt gegangen. Der Vogelflug  gefiel ihr so gut, nicht zuletzt, weil es nicht kaputt gehen kann. Das Bild  hat seinen Besitzer gewechselt. Ich mag es sehr und freue mich, daß es einen Liebhaber gefunden hat. Schön, daß ich dieses Foto habe.


Rund

"Rund" ist 50 x 50 cm groß. Hintergrund : ecogefärbte Stoffe. handgequiltet. Handbestickt und mit  eingeklöppelten  plastischen Motiven. Der Kreis ist von hinten unregelmäßig mit Fasern gefüllt.


Adultery

oder Scarlet letter

0,50 x 1.00m

Baumwolle, mit Pflanzen gefärbt, von handgenäht in einer alten ostasiatischen Technik "Korak".


Das kleine Rot

Und noch ein Thema zu Norm und Schubladendenken.

Das kleine Rot, das ist ROSA.....und nicht nur....als ich die Farbe Rosa bearbeiten wollte, weil ich so viele schöne Farbtöne gefärbt hatte...kam eine Geschichte zu mir. Sie entstand beim Nähen und Sticken.