Tagebuch schreibe ich seit ich Teenager war. Ein winzig kleinen Kalender barg meine Geheimnisse. In "Steno" geschrieben. Ich habe es noch heute, kann es aber kaum entziffern ... Später schrieb ich Reisetagebücher und zeichnete über Jahre hinweg die Zeit zwischen 1. Januar und jeweils Ostern auf. Auch diese Kladden sind noch vorhanden. Im Inhalt sind meine bemalten Ostereier, die mein Leben  jahrelang begleiteten, die Standdekoration für die jeweiligen Ostereiermärkte und Bilder meiner Malkoleginen.  Später waren - sind es bis heute - Berichte über die Textilarbeit, Seminar- und Workshopvorbereitungen anfangs, heute Reflektion über das, was ich inzwischen täglich tue ... textilbezogen, ab und zu über eine Reise oder auch über  den Garten, manchmal was ganz alltägliches ...   manchmal geschnitten und genähte Symbole, die mich an eine Situation erinnern wie folgendes:

Tagebuchschnipsel

Dieses ca 30x 60 cm große Tuch zeigt zusammengesetzte Teile Stoff, die jeweils einem Ereignis oder Gedanken, einer Erinnerung zuzuordnen sind. Das "Bild" entstand in vielen Sommertagen im Liegestuhl und mancher Sternennacht eines Sommers. Und so heißt es auch :"Sommertage-Sternennächte" / 2013

Folgender Ausschnit zeigt einen Fisch, ein Zeichen meiner Verbundenheit zum Wasser. Ebenso das Schiff am unteren Rand des Bildes, immer bereit Segel zu setzen,  sich mit dem  Wind wegtragen zu lassen, neues Land zu erkunden.

Auch der Seestern weckt in mir Erinnerung, und der kleine Vogel, der mein Brot erbettelte, als ich am Meer Piknick machte.

Die Blaudrucke, und  mit Indigo gefärbte Stoffe, habe ich auf einer Reise nach Ungarn erstanden. Wir, (zwei Freundinen begleiteten mich) haben eine Textilreise zusammengestellt und besuchten Werkstätten und Museen. Damals gab es noch 9 aktive Blaudruck-Werkstätten, unter Anderem die von Janosh Sasvari. Er schenkte mir den Stempel mit seinem Monogram, das ja auch meines ist.

Manchen Blaudruck habe ich auch selbst gemacht. In der Werkstatt vom Modelstecher Edi Zinsberger hatte ich Unterweisung bekommen und durfte seine Model ausprobieren.

Lange lag der handbedruckte, in langem Prozeß  gefärbte Stoff unberührt, fein säuberlich gestapelt im Regal. Es fiel mir schwer etwas davon abzuschneiden. Jeder kleinste Schnipsel findet  nun Verwendung, erzählt von Herkunft und  langwieriger Verarbeitung, birgt noch viele einzelne kleine Geschichten, Stich für Stich ausgemalt.... ein  geheimes Tagebuch.